Für diesen Sommer hatte ich mir keine Reise in den Süden vorgenommen, oder zumindest nicht so weit in den Süden. Diesmal war eine Tour um halb Deutschland und durch den südlichen Teil unseres Landes angesagt. Und es gab noch etwas das anders war als auf den bisherigen Touren. Ich kannte meinen Reisepartner bereits vor Antritt der Reise. Krebsi, (Bernd), kommt aus dem bergischen Ort Schwelm und wir waren uns zuvor schon mehrmals bei den Touren und Treffen der XT-Freunde aus dem Ruhrgebiet begegnet. Wie üblich hatte ich über das XT-Forum meine Reisepläne adressiert und es meldeten diesmal insgesamt 5 Leute Interesse an, von denen letztendlich Bernd übrig blieb.
Vom 30.05. - 01.07. sollte das 25jährige Ténéré Jubiläum in Mothern, (inFrankreich, nahe Karlsruhe), gefeiert werden. Diese Veranstaltung wurde von zwei Motorradenthusiasten mit sehr viel Hingabe und Einsatz organisiert und war über das Internet und einige Printmedien publik gemacht worden. Es lag nahe dieses Treffen in die Reiseplanung mit aufzunehmen und so trafen Bernd und ich uns mit 4 weiteren Enduristen, Heiko, Theo, Ulrich und Uwe am 29.05. um 10:00 auf der A1 Raststätte Ville am Kölner Ring.
Wir waren gerade angekommen, als sich am Horizont der Himmel verdunkelte. Schnell schlüpften wir in unsere Pellen, als ein Polizeifahrzeug neben uns anhielt und der Fahrer uns eindringlich darum bat nicht abzufahren, da es bereits erhebliche Unwetterschäden in der Eifel gegeben hatte und Motorrad fahren in dieser Unwetterfront lebensgefährlich sei. Tatsächlich wurde es schlagartig so finster, dass sich die Beleuchtung auf dem Rastplatz einschaltete.
So stellten wir uns also unter das Vordach der Raststätte und warteten ab was passieren sollte. Was dann passierte war ein wenig Wind und ein paar Regentropfen und nach einer halben Stunde war der ganze Spuk vorüber. (Später erfuhren wir, dass dieselbe Unwetterfront in einigen Städten und Gemeinden in NRW erhebliche Verwüstungen angerichtet hatte). Wir fuhren also los, auf der A1 bis in die Eifel und dann, ab Nettesheim über kleine Landstraßen bis nach Belgien, wo wir uns unserer Regenkleidung entledigten und in einem Gasthaus Hunger und Durst stillten.
Kurz hinter dem belgischen Schönberg fuhren wir wieder auf deutschem Gebiet bis nach Luxemburg. In Untereisenbach überquerten wir die Sauer und kurvten dann den Grenzfluss entlang bis ca 10 km. vor Trier.
Hier ließen wir uns auf einem hübschen Campingplatz, direkt an der Sauer nieder. Im nächsten Supermarkt wurde noch eilig festes und flüssiges Proviant besorgt und zurück auf dem Campingplatz der Grill angeworfen. Gegen 24:00 lagen dann alle seelig schnarchend auf ihren Isomatten und hätten auch bestimmt die ganze Nacht durch weiter geschnarcht, wenn es nicht um 3:00 fürchterlich laut gedonnert hätte. Direkt über dem Zeltplatz ging ein Gewitter runter das es in sich hatte. Zwischen Blitz und Donner verging keine Sekunde. Die Indikatoren für einen zünftigen Blitzeinschlag waren hervorragend und uns allen war ziemlich mulmig,wie wir uns am nächsten Morgen gegenseitig eingestanden. Nach einer 3/4Stunde war es mit Blitz und Donner vorbei, allerdings schlief ich danach nur noch sehr unruhig. Um 6:00 war dann sowieso an Nachtruhe nicht mehr zu denken. Heiko und Bernd diskutierten in gefühlten 110 Dezibel irgendwelche Belanglosigkeiten und forderten unsere Anteilnahme. Wenigstens hatten sie schon einmal Kaffee gekocht.
Der Himmel war strahlend blau, nur noch ein paar Nebelschwaden hingen im Tal. Nachdem die Zelte abgetrocknet waren, bauten wir sie ab, packten unsere sieben Sachen und fuhren weiter. Zunächst quer durch Trier und dann über ein paar Wirtschaftswege in den Weinbergen auf die L149 und anschließend auf der B52 weiter in Richtung Pfalz. Damit der Tag nicht zu lang wurde fuhren wir auch ein wenig über die A1 und A62 bis in die Nähe von Kaiserslautern. Danach ging es wieder auf sehr schönen kleinen Landstrassen weiter bis wir in Wissembourg französisches Territorium erreichten. Gegen 17:00 kamen wir in Mothern an. Obwohl erst Freitag war, waren schon eine Menge Leute vor Ort und im Minutentakt trafen mehr und mehr ein. Am Abend wurde natürlich das ein oder andere Bierchen gekippt und Anekdoten ausgetauscht, die man als Motorradfahrer so erlebt hat. In Henner's Bierzelt lernte ich einen der Veranstalter, Boris, kennen und hatte eine nette Unterhaltung mit ihm, während Bernd und Pit sich in der Partyzone ganz offensichtlich bestens amüsierten.
Samstag Mittag nutzte ich die Nähe nach Kandel und besuchte dort Oliver, einen meiner beiden LGKS-Gefährten von 2005. Es war schön ihn mal wieder zu treffen und es gab eine Menge zu erzählen. Nachmittags war ich dann wieder zurück in Mothern und schaute mir die Endurocracks an, die mit ihren XT's und ST's in halsbrecherischer Manier über den Crossparcours bretterten. Einer sogar mit Beifahrer.
Später konnte ich auch mal die neue Tènèrè antesten. Leider schien sich der mir Vorausfahrende hauptsächlich mit der Erprobung der Bremse auseinanderzusetzen. Am Abend gab es dann eine Tombola und um Mitternacht wurde das 25jährige Jubiläum mit einer Torte und einem Ständchen zelebriert. Die beiden Veranstalter, Mario und Boris, hatten wirklich ein phänomenales Treffen ermöglicht. Sie hatten Sponsoren und zum Schluss sogar Yamaha davon überzeugt die neue Ténéré vor Ort zu präsentieren. Der örtliche Motocrossclub stellte das Gelände und Catering. Die Veranstaltung war wirklich perfekt organisiert und hatte trotzdem einen sehr familiären Charakter. Nochmals Danke Euch beiden an dieser Stelle!
Sonntag vormittag fuhren Bernd, Dieter und ich weiter. Dieter, (alias Rotauge, alias Wolfgang), gehört ebenfalls zu den XT-Ruhries, wohnt in Essen und wollte ursprünglich mal die ganze Tour mitfahren, bevor er sich ein paar Wochen vor der Reise dazu entschied uns nur durch den Schwarzwald zu begleiten. Er konnte beruflich bedingt nicht gemeinsam mit uns nach Mothern anreisen und war später nachgekommen. Wir überquerten den Rhein auf der B500 bei Iffezheim und bogen dann in südliche Richtung auf die B3 ab. In Bühl verließen wir die B3 und fuhren auf kurviger Landstraße in den Schwarzwald, um dort wieder auf die B500 aufzufahren. Genau dort wo die beiden Straßen aufeinander treffen findet sich ein Motorradtreff am Gasthaus "Große Tanne".
Wir hielten an und beschlossen dort zu frühstücken. Fast wäre es an der mürrischen Bedienung gescheitert, aber letztendlich bekamen wir ein prima Rührei und den ersehnten Kaffee. Weiter ging es immer gen Süden bis kurz hinter Ruhestein. Hier bogen wir rechts ab auf die Allerheiligenstraße, eine wie für unsere wendigen Enduros gebaute Serpentinenstrecke, der wir bis Oppenau folgten.
Von dort aus fuhren wir dann auf der Schwarzwaldstraße weiter bis Bad Peterstal-Griesbach und auf kleinen Landstrassen bis nach Schramberg. Dann steuerten wir Bonndorf an, wo wir Dieter's Vater einen Besuch abstatteten und uns von seinem Onkel und seiner Tante mit Kaffee bewirten ließen. Derart gestärkt zeigte uns Dieter noch das nahegelegene Kneipkur Becken. Genau das richtige für betagte Motorradgreise wie uns.
Die letzte Etappe des Tages führt auf gerader Strecke in Richtung Schaffhausen. Ich hatte in der Jugendherberge in Dachsen 3 Betten reserviert. Die kleine JH ist in der alten Burg direkt oberhalb des Rheinfalls untergebracht.
Eine tolle Lokation, aber für uns Männer gab es nur ein Zimmer mit insgesamt 12 Schlafplätzen, die auf 2 Doppelbetten mit je 3 Liegeflächen oben und unten verteilt waren. Zu unserem Glück blieben wir unter uns. Nachdem wir uns unserer Kluft entledigt und den Strassenstaub abgewaschen hatten, schnappten wir uns 2 Flaschen Wein, etwas zu essen und liefen die Treppe zum Wasserfall hinab. Eine Dame, die vergeblich versuchte mit einer Trommel gegen das Getöse der hinabstürzenden Wassermassen anzukämpfen - und die sich uns später als Geisterheilerin empfahl -, machte diese geisterhaft verschwommene Aufnahme von uns Dreien.
Wir genossen ein herrliches Picknick neben dieser Naturgewalt und stellten am Abend in angeschickerter Gemütsverfassung noch ein wenig Schabernack an, bevor wir gegen Mittenacht in die Betten fielen. Am nächsten Morgen waren wir alle wieder früh auf den Beinen und pünktlich um 7:30 zum Frühstück im kleinen Speisesaal der Burg. Schnell waren die Motorräder gepackt und dann hieß es Abschied von Dieter nehmen, der zu seinem Vater zurückfuhr und bald darauf auch wieder nach Hause mußte. Bernd und ich fuhren dagegen quer durch die nördliche Schweiz. In Appenzell machte mich Bernd wild gestikulierend auf eine Stelle in den Bergen aufmerksam, an der gerade ein Trecker mit Anhänger entlangfuhr. Er wollte unbedingt genau dort hinauf um da eine Brotzeit abzuhalten. Zugegeben, es sah idyllisch aus und Appetit war vorhanden, also kauften wir schnell etwas Weissbrot und Käse und machten uns auf den Weg. Oben angekommen rümpften wir dann aber die Nase. Wir mussten leider feststellen, dass der Anhänger des Treckers offensichtlich ein Gülletank war, der sich gerade erst auf genau dieser Wiese seines Ballastes entledigt hatte.
Schnell verließen wir diesen Ort und fanden wenige 100 m weiter ein ebenso schönes, aber anmutiger duftendes Plätzchen, an dem wir uns einen Kaffee kochten und Brot und Käse genossen.
Kurze Zeit später passierten wir die Grenze nach Österreich und fuhren nach Rankweil. Von dort aus sollte es weiter über das Furkajoch gehen, aber zu meiner Entäuschung war an der Auffahrt in Rankweil ein Schild montiert, aus dem hervorging, dass der Pass noch immer gesperrt war. Bernd, der bisher noch nie in den Alpen war, wollte aber jetzt unbedingt einmal einen Alpenpass, wenigstens so weit wie möglich fahren. Also machten wir uns trotzdem auf den Weg nach oben. Aufgrund der Sperrung war die Strasse natürlich schön frei und die Fahrt machte dadurch auch Spaß, aber leider hörte der Spass dann viel zu früh an einer Schranke auf. Nach kurzen Aufenthalt kehrten wir um, fuhren zurück nach Rankweil und nahmen dort den schmalen Wirtschaftsweg über Übersaxen und Dünserberg nach Thüringen um über das Faschinajoch wieder auf unsere geplante Route zu kommen.
Über Schrecken und Schröcken gelangten wir auf den Hochtannbergpass. Der geschmolzene Schnee hatte hier eine kleine Seenlandschaft hinterlassen.
Die Fahrt hinab war eine einzige Freude. Keine anderen Verkehrsteilnehmer außer uns und eine herrliche S-Kurve folgte der nächsten. Alle paar Kilometer sieht man Warnhinweise, die speziell an Motorradfahrer gerichtet sind und die zu maßvoller Fahrt mahnen. Man muss sich auch schwer beherrschen es hier nicht all zu sehr krachen zu lassen, so verführerisch ist diese Strecke. In Stanzach bogen wir in das ebenfalls fantastisch zu fahrende Namloser Tal ein und fuhren auch hier wieder auf einer völlig freien Strasse bis nach Bichelbach.
Weiter ging es nach Garmisch-Partenkirchen, wo ich wieder Übernachtungsplätze in einer Jugendherberge gebucht hatte, die übrigens sehr empfehlenswert ist. Wir konnten sogar unsere Motorräder über Nacht in einer Remise abstellen. Am nächsten Morgen erfüllte ich mir einen lange gehegten Wunsch und fuhr mit Bernd zur Partnach Klamm. Da es noch ziemlich früh war, schauten wir uns zunächst die neue Sprungschanze an, bevor es auf Schusters Rappen weiter zur Klamm ging.
Mit meinen klobigen Cross-Stiefeln schmerzten meine Füße nach wenigen hundert Metern, so das ich gezwungen war sie auszuziehen und barfuß weiter zu laufen. Das Naturschauspiel das uns dann erwartete war diese kleine Strapaze jedoch allemal wert. Es ist schwer beeindruckend die brodelnden Wassermassen direkt neben einem durch den schmalen Felspalt donnern zu sehen.
Nach dem wir uns satt gesehen hatten, bestiegen wir wieder unsere XTs und fuhren nach Wallgau und von dort aus eine sehr kleine Mautstrasse entlang der Isar zum Sylvensteinsee..
..und weiter nach Tegernsee, dass eine einzige Baustelle zu sein schien. Wir quetschten uns am Stau vorbei und steuerten Schliersee an. Inzwischen machte sich Appetit bemerkbar. Bernd warf einen fachmännischen Blick auf die Landkarte, erblickte ein Klosterbrauhaus in Fischbachau und von da an musste ich alles daran setzen ihn nicht aus dem Auge zu verlieren. Er hatte uns da ein wirklich nettes Plätzchen ausgeguckt.
Wir bestellten bayrisch deftiges und das bekamen wir dann auch. Wohlgenährt, aber ein wenig schwerfällig ging es weiter nach Priem am Chiemsee. Hier war mächtig etwas los, dabei war es ein ganz normaler Wochentag und keine Ferienzeit. In der Saison ist es dort wahrscheinlich nicht auszuhalten. An einem Zeltplatz bei Tittmoning endete die Tagesetappe. Während Bernd Socken wusch, besorgte ich noch ein paar Leckereien im örtlichen Supermarkt, die wir uns in der Dämmerung schmecken ließen, bevor wir unsere müden Körper in die Horizontale brachten.
Bisher war das Wetter immer Motorradlike. Ein Blick aus dem Zelt am nächsten Morgen ließ jedoch einen Tag in der Pelle befürchten. Noch regnete es nicht, aber es war schon ziemlich finster. Wir fuhren zunächst noch einmal durch das beschauliche Tittmoning, bevor wir den Inn überquerten und uns wieder in Österreich befanden. An einem kleinen Parkplatz hatte man einen schönen Ausblick auf die weitläufige Auenlandschaft.
Kurze Zeit später endete die Straße in einer Vollsperrung wegen Bauarbeiten und beim Versuch die Umleitung abzukürzen landeten wir mitten in der Baustelle, ...aber wozu fährt man eine Enduro. Inzwischen hatte es zu regnen angefangen und es sollte an diesem Tag, von kurzen Unterbrechungen mal abgesehen, auch nicht mehr aufhören. Kurz vor Braunau überquerten wir den Inn erneut und fanden auf der deutschen Seite, in Simbach, ein nettes Bistro, mit überdachter Terasse, in dem wir erst einmal das "all you can eat" Frühstücksbuffet leer räumten.
Bis kurz vor Passau reihten wir uns auf einer ziemlich gerade verlaufenden Landstraße hinter einem Reisebus ein und zockelten gemächlich durch den anhaltenen Schauer. In Passau verfranzte ich mich, aber Bernd bemerkte es ziemlich schnell und so fuhren wir weiter Donau abwärts, nicht ohne zuvor das Panorama von Passau zu verewigen.
Bei Wegscheid fuhren wir wieder nach Österreich und in Aigen dann auf einen besseren Feldweg, der uns zum ehemaligen eisernen Vorhang führte, bzw. den Ruinen, die davon übrig geblieben sind.
Am Fähranleger des großen Moldaustausees wartete bereits ein Fahrzeug und ein weiteres kam kurz nach uns angefahren. Der Fährplan hatte eher dekorativen Charakter, wie wir bald feststellten.
Plötzlich fiel uns ein, dass wir ja noch gar keine Kronen hatten. Kurzentschlossen schwangen wir uns auf unsere Moppeds und steuerten Aigen an. Ein gemütlicher Ort in dem die Zeit stehen geblieben zu sein schien. Aber nein, es schien nicht nur so, es war auch so. Mittwochs haben hier am Nachmittag noch alle Geschäfte - und dazu gehören auch die Banken - geschlossen. Selbstredend war gerade Mittwoch. Wir kehrten also unverrichteter Dinge wieder zum Fähranleger zurück, während ein wahrer Sturzregen auf uns nieder prasselte.
Die anderen Autos waren inzwischen natürlich nicht mehr da, der Fährmann hatte sich wohl spontan zum übersetzen durchgerungen und für uns begann die Zeit des wartens. Über uns blitzte und donnerte es bedrohlich. Wir standen auf freier Fläche an einem großen See, irgendwie erinnerte mich das an etwas. Nach einer 3/4 Std. etwa nahmen wir Bewegungen am anderen Ufer wahr und tatsächlich, cirka 10 Minuten später legte die Fähre an und nahm uns auf. Obwohl wir die einzigen Fahrgäste waren, wartete der Fährmann keine Sekunde länger und legte sofort wieder ab.
Wir fuhren dann auf die 163 in nördliche Richtung bis nach Volary, wo Bernd erst einmal Euros in Kronen wechselte. Direkt neben der Landstrasse auf einer Mauer stand ein Mann, der sich im Minutentakt über irgend etwas unnachvollziehbares ganz fürchterlich aufregte und dann jedes Mal wild gestikulierend und laute Schreie ausstoßend den vorbeifahrenden Autos vor die Motorhaube zu springen drohte, ohne dies wirklich zu tun. Einige Autofahrer bremsten quietschend, oder wichen auf die Gegenspur aus, andere, wahrscheinlich Ortsansässige die den Mann schon kannten, fuhren gelassen an ihm vorbei, ohne dabei den Fuss vom Gas zu nehmen. Ob er wohl immer noch da steht und und seine Mitmenschen in Atem hält? Nun folgten wir der Moldau immer tiefer in den böhmischen Wald und fuhren dann die Berge hinauf bis nach Filipova Hut, angeblich der höchst gelegene Ort des Nationalparks. Hier hatte ich über das Internet einen ehemaligen Berghof gefunden, der zur Pension umgebaut war und in dem ich uns 2 Zimmer reserviert hatte. Die Zimmer waren gemütlich, dass Essen schmeckte prima und das Pilsener vom Fass war vom allerfeinsten. Ausserdem stand da noch ein Kickertisch an dem wir uns austobten. (Bernd gewann nach Spielen 3:2). Der verregnete Tag war folglich sehr schnell vergessen und die erforderliche Bettschwere fast schon überschritten.
Als ich am Morgen den Vorhang vom Fenster beiseite schob und nach draußen blickte, lag die Landschaft unter einer milchig trüben Nebeldecke versteckt. Im Frühstücksfernsehen war weiterhin schlechtes Wetter für die Region vorhergesagt. Wir bepackten zunächst mal unsere Maschinen, frühstückten ausgiebig und fuhren dann gegen 9:00 los. Unser erstes Ziel für den heutigen Tag war Kasperské Hory. Kurz vor unserem Reiseantritt fand sich in der Zeitschrift "Tourenfahrer" ein Bericht über Böhmen und dort befindliche Motorradmuseen. Unter anderem wurde dabei ein Museeum in diesem Ort erwähnt, der genau auf unserer Route lag.
Wir betraten das Haus und stiegen die Stufen des alten Treppenhauses hinauf. Das Museum ist unter dem Dach untergebracht. Wir waren noch nicht ganz oben angekommen, als uns jemand mit eiligen Schritten folgte. Es war der Museumsleiter, der nun extra für uns beide öffnete. Der Mann war sehr freundlich, beantwortete jede Frage und legte uns noch den Besuch eines weiteren Museums ganz in der Nähe ans Herz.
Die Exponate waren wirklich beeindruckend. Von der Art, von der Anzahl, und auch vom Zustand. Angeblich alle fahrfähig! Ein Ort an dem sich Motorradfreaks wohl fühlen.
Als wir wieder aus dem Museum heraus traten, hatte sich der Nebel gelichtet und teilweise waren sogar blaue Stellen am Himmel zu sehen. Es sollte dann noch ein richtig schöner warmer Sommertag werden. Wir beschlossenden Besuch des uns empfohlenen Museums, verfranzten uns aber. Kurvenreiche und autoarme Straßen in wunderschöner Waldlandschaft sorgten jedoch dafür, dass verfranzen von uns eher als angenehmer Nebeneffekt des Motorradreisens empfunden wurde. Irgendwann landeten wir dann auch auf einer richtigen Schotterstrecke, deren Qualität mich an die anstrengendste Passage auf der Varaita erinnerte. Schädelgroße Steine, ungleichmäßig über den Weg verteilt, dazwischen rutschiger Waldboden und alles auf einer steilen Bergaufpassage. Mit Gepäck war es fast unfahrbar und mit Bernd's Straßenreifen vollkommen unfahrbar, also kehrten wir wieder um und fanden auch irgendwie auf unsere eigentliche Route zurück. In Domazlice machten wir Station und besichtigten die hübsch restaurierte Innenstadt.
Anschließend ging es weiter bis nach Plana, wo man direkt neben der Strasse einen Blick auf dieses prächtige Gut werfen kann.
Hinter Plana fuhren wir auf Nebenstrassen und Wirtschaftswegen gen Westen der deutschen Grenze entgegen, die wir gegen 15:00 überquerten. Kurze Zeit später erreichten wir unser Ziel, die Jugendherberge in Falkenberg. Wie in Garmisch bekamen wir wieder ein schönes geräumiges Zimmer mit Dusche und WC. Da wir beide uns auch mal die Beine vertreten wollten, fuhren wir nach dem Umziehen und dem Abendessen noch eben in den nahegelegenen Felsenwald um den Hackelstein zu besichtigen. Nach ein bisschen Suchen hatten wir den richtigen Parkplatz für Wanderer zumHackelstein gefunden. Ein Schild wies uns den Weg und versprach eine Entfernung von 1,5 km.
Also zogen wir los und lernten den Wald und seine Wanderwege kennen. Alle!!! Irgend ein "Witzbold" hatte die Hinweisschilder verdreht, so dass sie in die Irre führten. Nachdem wir das bekmerkt hatten, kreisten wir den Hackelstein systematisch stundenlang ein, bis er uns nicht mehr entrinnen konnte.
Für den Rückweg benötigten wir dann tatsächlich nur 15 Min. Glücklicher Weise gab es in der JH flüssige Artznei aus dem Brauhaus zu kaufen und so konnten wir unsere schmerzenden Füße und was sonst noch so an uns dran ist betäuben.
Die Sonne schien am nächsten Morgen mit aller Kraft in unser Zimmer und weckte mich pünktlich zur Frühstückszeit. Oder war es doch Bernd, dem mein Schnarchen auf die Nerven ging?
Man weiss es nicht genau, jedenfalls saßen wir um 9:00 wieder im Sattel und brummten seelig auf frisch asphaltierten Straßen durch das verschlafene Fichtelgebirge. Da wir keine Bistros oder Bäckereien mit geöffneterTerasse fanden, brauten wir unseren Schwarzen selbst.
Kaum waren wir aus dem Fichtelgebirge raus, waren wir auch schon tief im Thüringer Schiefergebirge und bald darauf im Thüringer Wald. Unser Land hat wirklich schöne Ecken, dass habe ich bisher auf jeder Tour durch Deutschland festgestellt. Und es werden auch immer wieder Klischees bestätigt. In Lichte fand sich ein Imbisswagen mit der Aufschrift "Gewinner des Thüringer Pokals 2006 für Thüringer Bratwurst" und natürlich verfing diese Werbung sofort bei uns. Die Wurst war im übrigen wirklich lecker.
Gute Freunde von mir leben in Manebach bei Ilmenau. Denen wollte ich einen kurzen Besuch abstatten wenn ich schon mal in der Gegend bin. Da es aber noch zu früh war , - beide sind berufstätig -, wollte ich die Zeit bis dahin nutzen und Bernd das Skizentrum in Oberhof zeigen. Also fuhren wir hinauf, kreuzten den Rennsteig und fuhren zunächst zur imposanten Schanzenanlage, bevor wir die Bobbahn besichtigten, die im Sommer aber nicht viel hergibt.
Abgesehen von der schönen Umgebung hat Oberhof ansonsten denselben Charme wie jede Neue Heimat Siedlung aus den 60er und 70er Jahren im Westen der Republik. Also schnell wieder weg hier. Aufgrund einer navigatorischen Unpässlichkeit, die wir mit dem Mantel des Schweigens bedecken wollen, fuhren wir zunächst nach Arnstadt und von dort aus über Illmenau nach Manebach, wo wir meine Freunde, Rita und Peter antrafen und mit beiden lecker beim sehr freundlichen Gastwirt am Manebacher Bahnhof speisten. Die Zeit verging leider wie im Flug und wir mussten ja noch weiter. Unsere Betten waren in Hilders in der Rhön gebucht und es waren noch einige Kilometer bis dahin zurückzulegen. Nach knapp 2 Stunden hatten wir es schließlich geschafft und unser Tagespensum erfüllt.
Unsere letzte Tagesroute sollte durch die Rhön und das Sauerland bis nach Hause führen. Wieder erwartete uns der Tag mit herrlichen Sonnenschein und kurvenreichen Landstrassen. Nachdem wir uns von der redseeligen Herbergsmutter verabschiedet hatten, fuhren wir zunächst auf kleinen Nebenstrecken in nordwestliche Richtung.
Kurz hinter Breitenbach erblickten wir die Burg Hof Huhnstadt. Neben derAuffahrt warb der dort vorhande Gastronomiebetrieb um Kunden. Spontan entschied ich das es Zeit für eine Kaffepause sei. Wir fuhren die marode Auffahrt hinauf und parkten unsere Maschinen neben der Einfahrt.
Kaum waren wir abgestiegen, kam auch schon ein unsymphatischer Fettklops angerannt, der uns grimmig mitteilte, dass wir die Lieferanten behindern würden und uns woanders hinstellen sollten. Das war eindeutig nicht der Fall, aber der Kerl ließ nicht mit sich reden. Kurz bevor ich richtig sauer wurde, entschied ich keinen Cent in dieser Lokation auszugeben und so verliessen wir den ungastlichen Ort genau so schnell,wie wir ihn betreten hatten. Der Ärger über die Unfreundlichkeit war schnell verflogen und in Gemünden besorgte Bernd in der örtlichen Metzgerei allerfeinste Wurstware, während ich beim Bäcker Brötchen kaufte. Kurze Zeit später saßen wir schmatzend und schlürfend am Wegesrand und ließen es uns gut schmecken. (Achtung Vegetarier, ihr müßt jetzt ganz tapfer sein).
Weiter ging es ins Sauerland. Kurzentschlossen änderten wir unsere Route und fuhren nach Winterberg hinauf. Es war Samstag und dem entsprechend waren die Straßen rund um diesen Touristenort gut besucht. Nachdem wir nun schon in zwei berühmten Wintersportorten die Skisprunganlagen besichtigt hatten, kam jetzt noch die Großschanze von Winterberg in unsere Bildersammlung.
Auf der Abfahr über den Kahlen Asten, konnten wir sehen, dass der Name des Berges wahrscheinlich auch aus einem Sturmschaden resultierte, jedenfalls waren die Spuren von Kyrill auch jetzt noch beeindruckend. Kurz vor Olpe mussten wir tatsächlich noch einmal in unsere Pellen schlüpfen, als ein kräftiger Schauer über uns niederging. Die letzten gemeinsamen Kilometer in Richtung Heimat legten wir auf der A4 zurück. Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen und so fuhren wir an einen Rastplatz und kochten noch einmal einen Kaffee, bevor wir uns voneinander verabschiedeten und jeder in seine Richtung nach Hause fuhr.
Fazit: Wieder einmal ein Super-Motorradurlaub in sehr schöne Gegenden im In-und Ausland. Mit Bernd habe ich inzwischen schon einige weitere kleine Tagestouren in der näheren Umgebung gemacht. Wir stehen in ständigen Kontakt und planen schon an einer gemeinsamen Tour durch die Karpaten für das nächste Jahr. Das sagt ja wohl alles.
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