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"Rumänien, Du spinnst wohl, da klauen Sie Dir doch alles." So und ähnlich lauteten häufig die besorgten Kommentare von Freunden, Verwandten und Kollegen, wenn ich ihnen von meinen diesjährigen Reiseplänen erzählte. Natürlich war keiner von ihnen jemals zuvor dort gewesen. Angeregt von Friedel's schönen Bildern auf www.moto-ri.de und verschiedenen Reiseberichten anderer Motorradreisender stand mein Plan aber fest, ich wollte nach Rumänien. Im November fragte ich Bernd, meinem letztjährigen Reisebegleiter, ob er denn Interesse an einer erneuten gemeinsamen Tour dorthin hätte. Zunächst war er nicht wirklich begeistert, da er für 2009 eigentlich eine Deutschlandrundfahrt plante. Ich sah mich also genötigt ihn zu seinem Glück zu zwingen und schickte ihm ein paar Reiseberichte, Bilder und Links auf Videos vom Urdele-Pass und der Transfagarasan. Nach wenigen Tagen hatte ich ihn zermürbt und ab dann zählte er glaube ich nur noch die Monate, Tage und Stunden bis zur Abfahrt.

Am Freitag, dem 29.05. traf wir uns an einem kleinen Autobahnparkplatz neben der A3 am Kölner Ring. Wir waren beide ordentlich bepackt, besonders ich hatte viel zu viel Zeugs mit wie sich noch herausstellen sollte, aber dazu später mehr. Für den ersten Tag hatten wir uns vorgenommen die A3 bis Aschaffenburg zu fahren und anschließend neben Main und Tauber bis nach Rothenburg o.d. Tauber zu cruisen. Es herrschte trockene Witterung bei angenehmen Temperaturen. Die A3 war schön leer und wir kamen gut voran. Die anschließende Fahrt auf der Landstraße war eine kleine Belohnung für die stupide Autobahnbolzerei.  Besonders die Route neben der Tauber war recht nett zu fahren und bot ein paar schöne Aussichten. Gegen 17:00 trafen wir in Rothenburg ein. Ich hatte uns Schlafplätze in der Jugendherberge reserviert , die sich in einem historischen Gemäuer ziemlich zentral in der Altstadt befand.


Wie es der Zufall so wollte, begannen an diesem Abend die diesjährigen historischen Festspiele von Rothenburg.


Überall standen kostümierte Menschen und ein mittelalterlicher Markt mit Händlern, Gauklern und Edelleuten fügte sich prächtig in die Fachwerkidylle ein.


Am nächsten Morgen standen wir sehr zeitig auf , bepackten unsere Moppeds, aßen uns am Frühstücksbuffet satt und fuhren dann auf der AB der österreichischen Grenze entgegen. Es war Pfingstwochenende und die Straßen waren nicht mehr so leer wie Tags zuvor, aber wir kamen dennoch sehr gut voran.  Für heute war kilometerfressen auf der Autobahn angesagt. Wir wollten eigentlich an diesem Tag bis nach Ungarn, es kam aber ganz anders. Je näher wir Ösiland kamen, desto mehr verfinsterte sich der Himmel. Am letzten Rasthof vor der Grenze zogen wir uns unsere Pellen über und kaum das wir das getan hatten, fing es auch schon an zu regnen. Inzwischen war es bereits nach 13:00 und Hunger machte sich bemerkbar, also fuhren wir ca. 50 km hinter der Grenze von der AB ab und suchten ein Lokal in einem der an die Landstraße angrenzenden Orte. Wir fanden aber nur einen kleinen Supermarkt und versorgten uns dort mit Brot, Käse, Wurst und etwas zu trinken. Dann setzten wir uns an den Bistrotisch eines verwaisten Lokals, welches sich unmittelbar neben dem Ladengeschäft befand und ließen es uns dort gut schmecken. Nach etwa einer halben Stunde Rast ging es weiter, aber fast wäre die Reise dann schon zu ende gewesen. Als ich an einer Auffahrt, die wiederum auf die Autobahnauffahrt führte, hinter einer Frau in einem Kleinwagen herfuhr, sah ich deutlich wie sie ihren Kopf nach links wendete um zu schauen ob die Auffahrt frei war. Ich blicke ebenso nach links und sah, dass sich lediglich am Horizont ein Wagen näherte, die Auffahrt also ohne Stop befahrbar war. Es kam deshalb für mich vollkommen unerwartet, dass die Frau in dem Wagen vor mir plötzlich eine Vollbremsung machte. Noch in leichter Schräglage befindlich betätige ich mit aller Kraft Vorder- und Hinterradbremse. Schlagartig rutscht mir das Vorderrad nach links weg. Ich hatte schon den Klang von sich kalt verformenden Metall im Ohr, während ich auf der Straße rutschte und mir den sich rasant nähernden Unterboden des Kleinwagens betrachtete, als ich  zum Glück knapp vor dem stehenden Wagen zum halten kam. Dem Wagen vor mir entstieg eine junge Frau mit etwas Blech im Gesicht, die ich erst einmal anfauchte welcher Teufel Sie denn geritten hätte hier eine Vollbremsung zu machen, obwohl kein Stopschild vorhanden - und die Straße frei war. Ihre umwerfend lapidare Antwort war, dass Sie das an dieser Stelle immer so machen würde. (Hätte ich ja auch wissen können). Ich betrachtete den Schaden an meiner Ténéré. Das Windschild war gebrochen und dort wo die Seitentasche des Tankrucksackes auflag, hatte dessen Schnalle bei der Rumrutscherei einen häßlichen Lackabplatzer am Kunststofftank hinterlassen. Der Acerbis Handschutz hatte sich nach oben gedrückt und dabei die Bremsleitung am Flüssigkeitsbehälter verschoben, woraus eine kleine Undichtigkeit resultierte, die sich aber mit einem Anziehen der Mutter wieder aus der Welt schaffen lies. Außerdem hatte sich die Halterung des rechten Seitenkoffers etwas verzogen und das Alublech am Koffer war etwas verschrammt, ohne das hiervon die Stabilität der Halterung oder die Befestigung der Koffer in Mitleidenschaft gezogen waren. Eigentlich war dem Mopped so gut wie nichts passiert. Mir selbst ging es nach der Geschichte nur mental bescheiden, körperlich hatte ich lediglich Prellungen an Schulter und Oberschenkel zu beklagen, von denen ich in diesem Moment aber noch nichts spürte. (Die machten sich erst später bemerkbar, als ich auf der rechten Seite nicht mehr schlafen konnte). Wir fuhren also weiter und es begann erneut sehr stark zu regnen. Angefressen wie ich war bedeutete ich Bernd das ich für heute die Nase voll hätte und so fuhren wir in St. Valentin von der Autobahn runter und fanden eine nette Pension, in der wir dann den Rest des Tages verbrachten.


Der nächste Tag verhieß zunächst weiteren Regengüsse und so zogen wir erst einmal wieder das Regenzeugs über. Meine Kombi hatte beim Unfall Schaden genommen, aber mit Panzerband und Sekundenkleber hatten wir das am Vorabend schnell wieder geflickt. Wir fuhren auf der Autobahn A1 und A21 weiter in Richtung Wien und je mehr wir uns Wien näherten, desto besser wurde das Wetter, bis wir uns schließlich irgendwann auf einem Parkplatz aus der Regenkleidung pellen konnten. Wir passierten Wien und fuhren weiter auf der A4 bis zur letzten Ausfahrt vor der Grenze, wo wir endlich auf die Landstraße abbogen und bei Nickelsdorf  ungarischen Boden unter die Räder bekamen. In Györ verfehlten wir die 82 und nahmen die 81 bis Pér, von wo wir rechts in Richtung Pannonhalma abbogen. Von weitem sah man ein eindrucksvolles Gemäuer auf einem Hügel. Als wir es fotografierten hatten wir beiden Banausen natürlich  keine Ahnung, dass wir ein als UNESCO Weltkulturerbe klassifiziertes Benediktinerkloster vor der Linse hatten.


Weiter ging es von dort wie ursprünglich geplant auf der 82 Richtung Veszprem. Hierbei passierten wir sogar einen Höhenzug und freuten uns über ein paar schöne Kurven, mit denen Ungarns Straßen ansonsten eher knausern. Eine Sehenswürdigkeit am Straßenrand ist die Ruine Cseszneki Var. Wir hielten hier allerdings nicht an und fuhren weiter.


In Zirc legten wir eine kleine Pause ein. Während Bernd dem Müßiggang huldigte und das Kloster Cisterzi Apátság besichtigte, stattete ich dem örtlichen Geldautomaten einen Besuch ab um mein Konto um ettliche tausend Forint zu erleichtern.


Hinter Veszprem ging es auf der 73 und 71 weiter zum Plattensee. Dort legten wir eine längere Pause ein und nahmen direkt am Gewässer einen Snack in einem der vielen Restaurants zu uns. Noch herrschte Ruhe am Balaton, aber man konnte sich schon lebhaft vorstellen wie es hier einen Monat später zugehen würde.


Inzwischen hatten wir uns mit dem Gedanken angefreundet an diesem Tag noch bis zur rumänischen Grenze zu gelangen. Es lief alles gut und das geringe Verkehrsaufkommen ermöglichte uns eine flotte Gangart. Unterwegs fanden wir neben der Strecke einen uralten Mig 15 Trainer, der ursprünglich auf einem dicken Rohr befestigt, stolz in den Himmel ragte und  sicherlich die Unbesiegbarkeit des Sozialismus symbolisieren sollte. Inzwischen lag er wohl schon seit mehreren Jahren abgewrackt und verbeult am Boden und rostete vor sich hin.


Als wir in Szeged eintrafen waren wir ziemlich geschafft und fragten deshalb gleich im ersten Hotel, einem ungemütlich wirkenden  Plattenbau, nach einem Zimmer. Der Portier war jedoch so schnöselig, dass ich gleich keine Lust mehr auf eine Übernachtung dort hatte und nach kurzer Beratung mit Bernd fuhren wir weiter durch das lebhafte Szeged. Auffällig war, dass anders als auf den Landstraßen außerhalb dieser Stadt, auf denen Geschwindigkeitslimits eher theoretische Bedeutung zu haben schienen, hier alle strickt 50 km/h fuhren. Wir sahen zwar keine Kontrollen, aber es scheint sie doch zu geben. Hinter Szeged sahen wir zwar das eine oder andere Plakat  das auf eine Pension hinwies, aber wenn wir dann mal etwas fanden war es geschlossen. Ich wollte schon wild campen, als ich eine Gruppe Jugendliche ansprach. Sie deuteten alle gen Osten und sagten Makó, Makó. Inzwischen war es schon dunkel und es wurde wirklich Zeit für uns eine Unterkunft zu finden. Abgesehen davon hatten wir Zwei an diesem Tag auch schon über 600 km und davon 2/3 auf Landstraße in den Knochen. Kaum hatten wir die Brücke des Maros überquert und das Ortsschild von Makó passiert, fand sich linker Hand ein Restaurant und eine Pension, in der wir ein schönes Zimmer, ein leckeres Essen und ein paar spritzige Biere bekamen.

Nach dem Frühstück ging es erst einmal wieder zurück über die Marosbrücke, auf die 431 in Richtung Rumänien. Die Grenzüberfahrt gestaltete sich originell. Zunächst passierten wir eine hypermoderne, niegelnagelneue aber vollkommen verlassene Grenzanlage der Ungarn. 100 m weiter folgte dann eine weitere alte und schmucklose Grenzanlage mit 2 hintereinander liegenden blau angestrichenen Kabinen, die gemeinsam von einem großen Dach vor Wind und Wetter geschützt waren. Bernd fuhr vor und zeigte seinen Pass, während ich noch umständlich in meiner Tasche wühlte. Der Uniformierte machte ihm das Zeichen zur Weiterfahrt und Bernd gab Gas. Kaum hatte er die 2. Kabine passiert, streckte dort ein weiterer Uniformierter seinen knallroten Kopf raus und brüllte ihm hinterher. Glücklicher Weise machte er keinen Gebrauch von seiner Dienstwaffe. Bernd (und auch ich) hatten irrtümlich gedacht, dass wir die ungarische Grenze bereits passiert hatten und nun an der rumänischen stehen würden. Tatsächlich waren aber beide Nationen in dieser alten Grenzanlage vertreten und wir hatten gerade nur die ungarischen Zöllner mit unseren Papieren konfrontiert. Der rumänische Grenzer knurrte etwas säuerlich "Da Ungarn hier Romania", was wir inzwischen natürlich auch kapiert hatten. Als ich ihm meinen Pass vorlegte konnte er schon wieder lächeln. Ich stellte mir vor, dass wir nicht die ersten waren denen das hier passiert ist. Ein paar Kilometer hinter der Grenze zwang uns ein Storch zum Anhalten. Er marschierte in aller Seelenruhe über die Straße um ihr dann parallel zu folgen.


Kurz darauf war das erste Kloster zu sehen.


Was einem sofort auffällt sind die vielen Pferdekutschen, die in Rumänien eine Selbstverständlichkeit im Straßenverkehr sind. Besonders war allerdings ein Leichenwagen, der original genau so aussah, wie man ihn aus alten Hollywood Western kennt. Leider bog er von der Straße ab, bevor wir unsere Kameras einsatzbereit hatten.


Als wir in Timosora ankamen fing es an zu regnen. In der Stadt herrschte absolutes Verkehrschaos. Zwar hielten sich die Leute weitestgehend an die Signalanlagen, ansonsten herrschte aber wilde Anarchie. Irgendwie lustig ist der Countdown an der Ampel. Eine Digitalanzeige zeigt an wie viele Sekunden es noch bis zur nächsten Grünphase dauert. Ab 3 Sekunden vor Grün wird am Gas gespielt als würde der GP von Monaco gestartet. Wir tauschten Geld in einer Wechselstube und sahen zu, dass wir diesem Moloch auf der 59 in Richtung Süden entkamen. In Moravita bogen wir auf die 57 ab. Das Gebiet das wir hier befuhren bestand zum allergrößten Teil aus brachliegenden Agrarflächen. In wirklich jedem Dorf stand ein Strommast auf dem sich ein Storchennest befand.


Die Dörfer die wir  in dieser Gegend passierten machten einen sehr ärmlichen Eindruck, es war offensichtlich das große Arbeitslosigkeit herrscht. Hier versuchte sich jemand mit einem Straßenkaffee über Wasser zu halten und hatte dafür einen Pavillon vor dem Haus aufgestellt.


Es war kurz nach 10:00 und alle Anwesenden, außer uns natürlich, hatten schon einen ziemlichen Rausch. 


Die 57 war auch die erste Straße, die sich in einem Zustand befand wie ich ihn aus verschiedenen Reiseberichten erwartet hatte. Ein Schlagloch neben dem anderen.


Dann kam Oravita, der zweithässlichste Ort den ich in Rumänien zu Gesicht bekommen sollte. Graue Plattenbauten und baufällige Mehrfamilienhäuser die von ramponierten Straßen gesäumt waren und dazwischen ein relativ moderner Supermarkt, vor dem Kinder die Kunden um Geld anbettelten. 


In Racasdia sollte es laut Karte und auch gemäß Navi eine Abzweigung nach Macoviste geben. Vielleicht existierte auch mal eine, uns schien die Überquerung dieses vergammelten Stegs mit unseren schweren Motorrädern jedoch zu gewagt, nachdem er sich schon zu Fuß ordentlich in Schwingungen versetzen ließ.


Knapp hinter dem Ort gab es dann eine richtige Abzweigung, die nach 2 Kilometern auch wieder mit dem Track im Navi übereinstimmte. Ab Sasca Montana wurde die Landschaft richtig schön..


..und nach den ersten Serpentinen legten wir erst einmal eine ordentliche Pause ein und brauten einen kräftigen Kaffee auf dem Benzinkocher.


Anschließend verließen wir bei Moldovita die geteerte Straße und fuhren zur Einstimmung auf weitere Abenteuer auf einer nicht allzu langen Lehm- und Schotterstrecke über Padina Matei nach Moldova Noua.


Aufgrund einer kurzen Schlammpassage sahen unsere Moppeds und wir anschließend ziemlich verdreckt aus. Endlich an der Donau angekommen fing es in Strömen zu regnen an. Direkt am Fluss befand sich eine gewaltige Industrieruine die dort langsam vor sich hin rostete und teilweise bereits von Pflanzen überwuchert war. Wir fanden eine Pension bei Coronini, die jedoch zur Zeit keine Zimmer anbot und so fuhren wir weiter flussabwärts und nahmen dabei erstaunt die vielen Angler wahr, die sich entlang des Flusses in ihren Zelten häuslich eingerichtet hatten. Vor Ljubcova fand sich dann endlich eine Pension in der wir  unterkamen. Für 100 Lei, das sind ca. 20 Euro, erhielten wir ein schönes Doppelzimmer mit Duschbad inklusive Frühstück. Außerdem durften wir unsere Motorräder auf dem Hof mit dem Hochdruckreiniger vom gröbsten Dreck befreien und in der Garage parken. Wir waren begeistert.


Ein Blick aus dem Fenster am nächsten Morgen verhieß schlechtes Wetter. Im Moment regnete es noch nicht, aber es schien nur eine Frage der Zeit zu sein bis der Himmel wieder seine Schleusen öffnen würde. Vor der Abfahrt entschieden wir uns jedoch wegen eines Silberstreifs am Horizont in grenzenlosen Optimismus dazu auf die Regenkombis zu verzichten.


Wir fuhren die Donau hinab und machten häufig halt um die schöne Flusslandschaft abzulichten. Mit den steilen Felswänden an beiden Uferseiten erinnerte die Gegend teilweise an einen norwegische Fjord. 


Immer wieder passierten wir lange Baustellen, auf der die Straße teilweise über mehre Kilometer aus roten Schotter bestand.


Nicht weit vor Orsova befanden sich 2 Sehenswürdigkeiten. Das Kloster Mici...


..und das Monument Decebal.


Kurze Zeit später fing es dann an zu regnen und wir schlüpften während eines Tankstopps wieder einmal in unsere Regenklamotten. Von Orsova aus fuhren wir zunächst Richtung Drobeta Turnu Severin. Ich wollte unbedingt einmal das berühmte "Eiserne Tor" aus der Nähe sehen. Inzwischen goss es allerdings in Strömen und die Sicht war extrem schlecht. Angekommen am Eisernen Tor wollte ich meine Kamera zücken, als mich ein dort anwesender Wachmann höflich aber bestimmt darauf hinwies, dass fotografieren hier strengstens verboten sei. Etwas gefrustet fuhren wir nach Orsova zurück und nahmen aus der Ferne dieses Bild auf.


Von Orsova fuhren wir auf der 6 bis Pecinisca und bogen dort rechts auf die 670 ab. Ab Baile Herculane taucht man in die Karpaten ein. Die schlechte Sicht aufgrund des anhaltenden Regens lies nur erahnen wie schön die Landschaft hier ist. Auf das geplante Thermalbad in einem der an die Straße grenzenden und offen zugänglichen Becken verzichteten wir jedenfalls und hielten stattdessen zwecks Nahrungs- und Kaffeeaufnahme an einem Restaurant mit überdachter Terrasse. Ich bekam für umgerechnet ca. 2 Euro eine leckere Forelle mit Polenta.


Die Straße bog irgendwann vom parallel fließenden Cerna nach rechts  ab und schraubte sich die Berge hinauf. Hier wurde der Straßenbelag teilweise extrem rutschig, da alle Straßenschäden großzügig mit Bitumen, oder einem ähnlich schmierigen Material geflickt war. Sowohl Bernd, als auch mir selbst rutschte ein paar mal das Hinterrad weg, (ohne das es in einem Sturz endete). Nachdem die Gipfelhöhe erreicht war und wir wieder talwärts fuhren, passierten wir mehrere kleine Ortschaften deren Aufgeräumtheit und Gepflegtheit, gemessen an den Dörfern im Grenzgebiet die wir am Vortag durchfuhren hatten, direkt ins Auge fiel. In fast jedem Dorf trafen wir auf Menschen am Straßenrand, die uns freundlich zuwinkten und sich freuten wenn wir den Gruß erwiderten. Hinter Apa Neagra verließen wir die 670 für einen Abstecher zum Kloster Tismana, dass sich während einer kurzen sonnigen Periode in strahlenden Weiß präsentierte.


Bernd spendete 2 Kerzen, im Glaube daran hiermit eine Investition in die Zukunft zu tätigen. Aus der Inschrift am Aufstellungsort ging jedoch hervor, dass alle Kerzen ausschließlich den Verblichenen galten.


Zurück auf der 670 ging es weiter bis nach Runcu, wo wir erneut von der Hauptstraße abbogen und die kleine, aber sehenswerte Schlucht Schodolului in beide Richtungen durchquerten.


Der schmale Bach hatte im Laufe der Jahrtausende kleine Höhlen in die Felsen gefressen.



Nach diesem lohnenswerten Abstecher fuhren wir wieder auf der Hauptstraße und erreichten kurze Zeit später Targu Jiu. In der Stadt herrschte lebhafter Verkehr und alle denkbaren Verkehrsteilnehmer waren beteiligt. Neben Autos und Fußgängern waren das Eselskarren, Pferdekutschen, Trecker und streunende Hunde, die uns bisweilen erfolglos hinterher rannten um Ihre Zähne in Reifen oder Stiefel schlagen zu können. Von Targu Jiu aus fuhren wir ca. 20 km auf der 67 bis hinter Bengesti und bogen dann links nach Novaci ab. Novaci liegt am Fuß der Karpaten und war als Ausgangspunkt für unseren ersten Reisehöhepunkt, den Urdele Pass geplant. Schnell fanden wir eine Pension mit einem plüschigen Zimmer. Hier regierte der Pensionswirt, er war der unbestrittene Patron, sein Wort war Gesetz. Als ich ihn nach einem Bier fragte verneinte er, blickte dann aber streng auf seine beiden volljährigen Töchter und ordnete an Bier zu besorgen. Die beiden nickten respektvoll und verschwanden.  (Mein Glück das hier noch keiner etwas von Emanzipation gehört hatte). Als sie kurze Zeit später mit einem 2,5 Liter Plastikkanister lauwarmen Billigbier wieder auftauchten,  fiel es mir schwer meine Enttäuschung zu verbergen. Ich muss dazu erwähnen, dass es in Rumänien ausgezeichnetes, nach deutschen Reinheitsgebot gebrautes Bier gibt. (Mein Pech, dass das unemanzipierten Weibsvolk wahrscheinlich selbst kein Bier trinken durfte und somit absolut keinen Geschmack in Sachen Bier haben konnten). Nach einem Probeschluck wanderte das Gesöff jedenfalls in den Ausguss.

Am nächsten Morgen sah man tatsächlich blaue Lücken in der Wolkendecke und die Sicht war deutlich klarer als am Vortag. Da in der Übernachtung diesmal kein Frühstück enthalten war, fuhren wir in den Ort um Proviant zu besorgen. Ich kaufte Brot an einem der vielen Bäckerbüdchen die sich direkt neben der Straße befanden, während Bernd in einem anderen Geschäft Wurst besorgte. In der Zeit, in der ich neben den beiden Moppeds auf Bernd wartete, bildete sich eine Traube junger Männer um mich herum. "I have some importent information for you" sprach mich einer von Ihnen an. "Fine, what kind of information?" fragte ich zurück, aber da war es mit seinem Englisch auch schon vorbei. Mit einem Mix aus Deutsch, Englisch, Italienisch und Zeichensprache gelang uns dann doch etwas, was man als Konversation gelten lassen könnte. Ich bekam heraus, dass der Urdele Pass nach seiner Meinung ganz sicher noch nicht befahrbar sei, dass er selber in letzter Zeit nicht dort oben war, aber das "Kollegen" von uns hochgefahren sind und wieder zurückgekommen sind, woraus für ihn klar war, das der Pass unpassierbar sei. Dann musste ich noch unsere GPS-Geräte erklären und schließlich verabschiedeten wir uns, nicht ohne uns für die "important information" zu bedanken. Es sollte uns noch öfter passieren, dass wir von Einheimischen angesprochen wurden. Immer freundlich und interessiert, nie aufdringlich, oder fordernd. Noch öfter während unserer Reise fragte ich mich, weshalb dieses Land und seine Bewohner bei uns ein schlechtes Image haben, es schien mir durch nichts gerechtfertigt. Wir fuhren die Karpaten hinauf in Richtung Urdele Pass. Zu Beginn war die Strecke frisch geteert und die herrlichen Kurven ließen sich in abenteuerlichen Schräglagen fahren. Auch das Wetter und die Sicht wurden immer besser. Nachdem wir Höhe gewonnen hatten, machten wir in einer Kurve mit Blick über Novaci halt, kochten Kaffee und frühstückten mit wunderbaren Panoramablick.


Irgendwann landeten wir an einer Straßenbaustelle und dahinter endlich Schotter. Eine regelrechte Schotterautobahn, auf der wir teilweise mit 80 Sachen den Berg hinauf brausten tat sich vor uns auf. 


Auf 2100 Meter entsteht hier in Papusa ein Dorf für Skitouristen. Überall wird gebaut und zwischendurch einfach mal die Straße für ein paar Stunden aufgerissen. Die Autofahrer mussten dann 3 Stunden warten, während wir eine Umgehung fanden, auf der ich mich unrühmlich aber ohne Folgen abrollte. (260 kg Fahrzeug und Gepäck sind im Schlamm gar nicht so leicht zu handeln). Weiter ging es durch den Ort und anschließend noch höher die Berge hinauf.


Strecke und Landschaft müssen keinen Vergleich mit Sommeiller, oder der LGKS scheuen.


Schließlich trafen wir auf 2 Bagger hinter denen sich eine Schlammwüste befand, die Bernd wild schlenkernd mit seiner XT durchpflügte. Ich zauderte zunächst, versuchte dann aber doch ihm zu folgen. Nach ein paar Metern war ich mir jedoch sicher, diesen Parcours mit der vollgepackten Ténéré nicht bewältigen zu können und deutete Bernd an, dass für mich hier Schluss sei. Natürlich war er zunächst sauer, aber letztendlich akzeptierte er die Tatsache das wir hier umkehren mussten. Während der Rückfahrt durch den Schlamm schmiss ich mich ein weiteres Mal in den Matsch, was mich in der Richtigkeit meiner Entscheidung bestätigte hier nicht zuviel zu riskieren.


Auch auf der Abfahrt hielten wir immer wieder an um Aufnahmen der tollen Landschaft zu machen.


Im Tal angekommen legten wir eine Kaffepause ein und überlegten wie wir jetzt zum Lacul Vidra weiterfahren würden.


Wir entschieden uns die kleine Verbindungsstraße von Novaci nach Bumbesti Jiu zu nehmen. Diese Strecke war sehr angenehm zu fahren, unspektakulär, aber, - von ein paar Pferdekutschen abgesehen -, nahezu ohne weitere Verkehrsteilnehmer. Auf der 66 angekommen, hielten wir nach wenigen Kilometern an einem Restaurant neben der Straße um unsere knurrenden Mägen zu besänftigen. Kaum hatten wir die Helme abgezogen, standen ein langer Kellner und ein kleiner Hilfskoch mit einem Photohandy neben uns und baten höflich, ob Sie sich neben den Motorrädern stehend fotografieren dürften. Bernd und ich sahen uns an und hievten die beiden auf unsere Maschinen, - den großen auf Bernd's tiefer gelegte XT, den kleinen auf die hohe Ténéré - und knipsten die Beiden. Sie bedankten sich hundert mal und verschwanden beide ins Restaurant, wobei sie jedem der ihren Weg kreuzte das Handy unter die Nase hielten. Wir nahmen eine gute Mahlzeit ein, tranken ein alkoholfreies Bier und fuhren dann die Route 66 weiter nach Petrosani. Eine ganz herrliche Strecke, kurvenreich durch tiefe  Schluchten entlang dem Jiu Fluss. In Petrosani trafen wir wieder auf das inzwischen schon vertraute urbane rumänische Verkehrschaos. Ein markanter Punkt in der Stadt, den wir nur zu Gesicht bekamen, weil wir uns ein wenig verfahren hatten, ist diese Kirche mit der blauen Antonow AN-2 im Vordergrund, die aussieht als würde sie gerade starten.


Generell ist die Beschilderung in Rumänien bei weitem nicht so ausgeprägt wie in Deutschland, gutes Kartenmaterial im Maßstab 1:250000, oder noch detaillierter ist ein Muss. Ein zuvor geplanter GPS-Track ist empfehlenswert. Die Abzweigung nach Voineasa war trotzdem nicht ganz einfach zu finden und wir drehten ein paar Ehrenrunden durch Petrosani. Die dann doch noch gefundene schmale Straße beginnt in einem Tal neben dem Flüsslein Jiet, dass sich schnell in eine enge, sehr schöne Schlucht, der Jietului verengt.


Der Weg bis zum Vidra Stausee wird anschließend ständig ruppiger, ist von unzähligen Schlaglöchern gesäumt und wird immer wieder durch Schotterpassagen unterbrochen, die sich teilweise über mehrere Kilometer erstrecken. Als wir am Vidra ankamen war der Stausee wegen Wartungsarbeiten geleert.


Ich fuhr inzwischen schon seit 60 km auf Reserve und war etwas nervös, denn bis Voineasa waren immerhin noch weitere 40 km zurückzulegen. Bernd hatte zwar genug Sprit im Tank um etwas abgeben zu können, aber dennoch war mir nicht ganz wohl. Hinter dem Vidra Stausee führten schöne Serpentinen bis auf cirka 1500 m die Berge hinauf, bevor es ebenso kurvig wieder bergab ging. Hinter eine Haarnadelkurve mußte ich dann abrupt in die Eisen gehen. 


Die gesamte Straße war aufgrund einer Steinlawine unpassierbar. Zu unserem Glück befand sich neben der Straße noch ein breiter Grünstreifen, über den wir unsere Route fortsetzen konnten. Kurze Zeit später kamen wir in Voinaesa an. Die einzige Tankstelle war schon geschlossen, aber da wir sowieso hier übernachten wollten, verschoben wir  das auf den nächsten Tag. Wir suchten und fanden eine sehr schöne Pension, in der wir die einzigen Gäste waren.


Als ich am nächsten Morgen, nach 100 km Fahrt auf Reserve tankte, füllte ich 22,7l ein. Der Tank ist mit 23 l Volumen angegeben. Das war wohl wirklich auf den letzten Tropfen gut gegangen. Wir fuhren die 7A in Richtung Brezoi hinab. Die Straße ist gut geteert und führt in sanften Kurven an zwei kleineren Stauseen vorbei.


In Brezoi bogen wir links auf die 7 in Richtung Talmacu ab. Auch diese Straße ist in einem sehr guten Zustand und sogar wenn man LKWs vor der Nase hat kommt man gut voran. Der rumänische Autofahrer, egal welche Art motorisiertes Fahrzeug er auch bewegt, kennt nur eine Geschwindigkeit. Vollgas! Die Art wie in Rumänien gefahren wird ist teilweise lebensverachtend. Innerorts sind 50 km/h erlaubt, gefahren werden bis zu 100 km/h. Außerorts sind 90 km/h erlaubt. Gefahren wird hier was die Karre hergibt. Es existiert eine 0 Promille Grenze die Niemanden zu interessieren scheint. Es gibt zwar relativ viele Polizeikontrollen, dort wird aber offensichtlich alles gegen eine kleine Spende kulant gehandhabt. In jedem Fall ist es empfehlenswert sich nicht von Dränglern und Möchtegern-Schumis provozieren zu lassen, sondern besser möglichst weit rechts zu fahren und die Gaskranken vorbei zu winken.


In Talmacu nahmen wir eine kleine Verbindungsstraße über Racovita auf die 1. Vor einer schmalen Brücke bot sich ein schöner Blick auf die Karpaten.


Die 1 ist frisch geteert, relativ breit und über weiter Strecken fast schnurgerade. Das Überholen von langsameren Fahrzeugen fällt hier sehr leicht. Schon nach kurzer Zeit erreichten wir die Abzweigung auf die 7C, die Transfagarasan. 


Ursprünglich hatte ich geplant von Brezoi nach Cuerta de Arges zu fahren und von dort aus die Transfagarasan komplett zu überqueren. Wenige Tage vor dem Start unserer Reise fand ich aber zu meinem Leidwesen eine rumänische Website der zu entnehmen war, dass die Transfagarasan erst am 1. Juli geöffnet wird. So wollten wir wenigstens die als spektakulärer beschrieben Nordrampe so weit wie möglich erklimmen.


Es hatte sich wirklich gelohnt hier herauf zu fahren. Die Strecke war atemberaubend und die Fahrt durch die engen Schneeschluchten hatte auch ihren Reiz.


Bis hierhin war die Straße befahrbar, vor der letzten Haarnadelkurve war leider Schluss.


Auch auf der Transfagarasan ist Steinschlag ein Thema.


Auf dem Weg zurück zur 1 machten wir Halt an einem schönen Restaurant und verspeisten leckere Landesspezialitäten. (Sehr zu empfehlen ist des Schäfers Sack, "Traista Ciobanului).


Derart gestärkt fuhren wir nach Fagaras und besichtigten die alte Festung. Vor dem Gemäuer wachte ein Mann in Uniform unentgeltlich über unsere Fahrzeuge. Er lehnte eisern jegliches Trinkgeld für seinen Service ab.


Die Festung beherbergte eine Bibliothek und ein Museum, im Innenhof befand sich ein Schatten spendendes Kaffee und wer die Zeche prellte konnte direkt seiner gerechten Strafe zugeführt werden.


Nach dem heutigen Kulturprogramm fuhren wir weiter auf der 1 bis nach Codlea, - kurz vor Brezoi - und bogen dort in Richtung Sfantu Gheorghe ab. Eigentlich wollten wir dort in der Nähe übernachten, aber weil wir uns noch fit genug fühlten, fuhren wir die 12 weiter bis nach Baile Tusnad, einem für rumänische Verhältnisse mondänen Kurort mit allem Halligalli den man sich vorstellen kann.


Da wir aber dem Ort nicht wirklich etwas abgewinnen konnten, fuhren wir wieder ein paar Kilometer zurück und dann von Bixad aus durch einen finsteren Wald in Richtung St. Anna See. Als sich der Weg gabelte, links ging es zum St. Anna See, rechts Richtung Turia, fuhren wir rechts ab, da dort ein Plakat auf ein Hotel verwies. Schließlich kamen wir in der Dämmerung an einem relativ großen Hotel mit Restaurant an. Ich fragte nach dem Preis für ein Doppelzimmer und die Dame an der Rezeption teilte mir mit, dass wir für 29 Euro eine Übernachtung mit Frühstück bekämen. Sie schrieb mir dann eine Quittung über 20 Euro aus und meinte, dass sei für die Übernachtung und 9 Euro seien für das Frühstück. ich war inzwischen fix und foxy, dachte nicht lange darüber nach und froh endlich ein Nachtquartier beziehen zu dürfen. Als ich anschließend auf dem Balkon mein allabendliches Telefonat mit meiner Familie führte, erblickte ich unter mir einen großen Schwarzbären. 


Das Hotel hielt das bedauernswerte Geschöpf zum Vergnügen der Hotelgäste in einem viel zu kleinen Käfig gefangen. Am nächsten Morgen im Frühstücksraum brachte man uns die Frühstückskarte. Das fand ich angesichts eines Pauschalpreises merkwürdig, aber wir wählten jeder etwas aus und ließen es uns schmecken. Als wir aufstanden und gehen wollten, stellte sich uns der Kellner in den Weg und forderte die Bezahlung des Frühstückes. Zunächst hielt ich das für ein Missverständnis, später für ein abgekartetes Spiel. Ich machte ihm klar, das wir 29 Euro gezahlt hätten, woraufhin er sofort die Quittung sehen wollte. Die Dame die gestern an der Rezeption war, war selbstverständlich nirgends zu finden, statt dessen tauchte ein weiterer Kellner auf, der die Bezahlung des Frühstücks einforderte. Wir weigerten uns standhaft zu zahlen und schließlich versperrte man uns den direkten Weg zu unseren Maschinen, die wir noch bepacken mussten. Also nahmen wir den Umweg durch das Restaurant. Irgendwann betrat eine junge Frau mit guten Englischkenntnissen die Szene und forderte ebenfalls die Zahlung des Frühstücks. Mir platze der Kragen und ich teilte ihr mit, dass ich "very angry" sei und Sie von mir aus die Polizei alarmieren könne. Darauf hin ging Sie ins Hotel knallte die Türe zu und der Fisch war gegessen.


Unsere schlechte Laune war nach wenigen 100 Metern verflogen. Die Sonne lachte uns ins Gesicht und wir waren auf dem Weg zum St. Anna See. Der angeblich höchst gelegene Vulkansee Europas ist ein idyllisch gelegener Badesee und begehrtes Ausflugsziel in Rumänien.


Dort angelangt kamen wir mit dem Parkplatzwächter ins Gespräch, der uns seine Pfefferspraydose zeigte und zu verstehen gab, dass er sich damit im Ernstfall die Bären vom Leibe hält, die hin und wieder kämen um den Müllcontainer nach etwas essbaren zu inspizieren. Am See angekommen machte Bernd ein paar elegante Rollen am Reck.

Nach etwa einer halben Stunde verließen wir den See wieder und fuhren den Weg nach Baile Tusnad zurück, auf dem wir Tags zuvor hergekommen waren. Von dort fuhren wir nach einem Tankstop die 12 in der Ebene zwischen dem Harghita- und dem Ciucului-Massiv nach Sanominic. Hier bogen wir in Richtung Balan - und kurz vor Balan nach rechts ab um über einen Waldweg entlang des Hasmas Massivs in Richtung Lacul Rosu zu gelangen. Nachdem wir ein Abzweigung verfehlt hatten, beschlossen wir an einem schönen Plätzchen eine Kaffeepause einzulegen und unsere Tags zuvor im Hotel gewaschene, aber noch feuchte Wäsche zu trocknen.


Die Sonne schien ordentlich und gleichzeitig blies eine kräftige Brise durch das Tal, so dass unsere Wäsche nach einer dreiviertel Stunde getrocknet war. Auf dem Rückweg fanden wir die verfehlte Abzweigung und fuhren nach Plan weiter. Wir kamen jedoch höchstens einen Kilometer weit, dann wurde das Gelände extrem schlammig und somit für uns beide unpassierbar. Ein Blick in die Karte ergab, dass wir entweder zurück nach Sandominic - und dann auf der Landstraße zum Lacul Rosu  -, oder auf einer voraussichtlich anspruchsvollen Schotterpassage, die hinter Balan beginnen würde, über den Covacipeter Pass auf die 12C hinter Gheorgheni fahren konnten. Natürlich entschieden wir uns für die letztere Möglichkeit, die deutlich mehr Abenteuer versprach. Unsere Fahrt führte also durch Balan und das war wirklich der hässlichste Ort, den ich in Rumänien durchquerte. Dem Verfall preisgegebene verkommene sozialistische Einheits-Plattenbauarchitektur für Bergarbeiter, die jetzt alle ohne Arbeit waren, weil es keinen Bergbau mehr gab. Ein trostloser Ort, trotz schöner Natur rundherum. Hinter Balan begann dann aber eine wirklich lohnende Schottertour. 


Etwas mulmig wurde uns schon beim betrachten dieses Warnhinweises, eine Begegnung mit frei herum laufenden Schwarzbären blieb uns aber erspart.


Hier fahren wir noch neben einem wilden Bächlein entlang...


..welches ab hier den Weg vollkommen in Besitz genommen hatte und uns erneut zur Umkehr zwang.


Wir fanden doch noch den richtigen Track auf den Covacipeter Pass und pausierten auf der Höhe. Auf der Talfahrt trafen wir auf Waldarbeiter, deren gefällte Baumstämme auf ordentlich überladenen Lastwagen abtransportiert wurden. Auf der 12C angelangt waren wir beide Schottermüde, (ja, das gibt's auch) und hätten den Asphalt küssen können. Die 12C ist eine weitere Traumstraße. Sie führt hinter Gheorgheni auf den Pangarati Pass und anschließend in den Nationalpark Bicazschlucht, an dessen Anfang der Lacu Rosu zu finden ist.


Der Legende nach rot vom Blut eines Fischers, der von einem Riesen erschlagen wurde, ist die wahre Ursache für die eigentlich eher bräunliche Färbung des Gewässers ein gewaltiger Erdrutsch im 19. Jahrhundert. 


Wie auch immer, hier tobt der Bär, es gab jede Menge Verkaufsstände die alle dasselbe, nämlich Kitsch, Stichwaffen und Plastikmüll verkauften, sowie um den Faktor 5 teurere Getränkepreise als sonst üblich. Genau wie in der kurz dahinter liegenden Bicaz Klamm, einer äußerst eindrucksvollen Schlucht, deren engste Stelle nur wenige Meter beträgt und deren Wände bis zu 300m hoch ragen. Auch hier verschandelten leider Bretterbuden und Plastikpavillons die ansonsten tolle Kulisse. Trotzdem sehr sehenswert!



In Bicazu Ardelan suchten und fanden wir eine Pension. Als wir davor standen und sich auf unser klingeln niemand regte, machte sich von der gegenüberliegenden Straßenseite eine geschäftstüchtige Frau bemerkbar. Auch sie führte eine Pension und bat uns sich Ihre Räumlichkeiten anzusehen. Schnell wurden wir uns einig und schoben unsere Moppeds in den großen Garten. Kurze Zeit später kam auch noch ein vierköpfiger Trupp Motorradfahrer aus Süddeutschland, angeführt von einem in Deutschland lebenden Rumänen auf Suche nach einem Zimmer an. Die drei Männer und eine Frau kamen gerade aus den Maramures. Am Abend erzähle jeder vom bisher erlebten, während die gastfreundliche Wirtin immer wieder neues Essen auf den Tisch stellte.


Nachdem wir gut gefrühstückt und uns von unseren süddeutschen Bekanntschaften und der Wirtin verabschiedet hatten fuhren wir auf einer Straße aus Lehm nach Telec und bogen dort nach Bistra ab. Wir wollten von Bistra aus eine Schotterpassage nach Ceahlau fahren und leisteten uns unterwegs den besten denkbaren Navigationsfehler, indem wir die Gabelung hinter Bistra rechts abfuhren. 


Dieser Weg war eine Sackgasse, führte aber 1. ganz nach oben auf den Piatta Neagra, von wo man ein fantastisches Panorama genießen kann..


..und war 2. auch eine wirklich schöne Schotterpassage. Also sehr empfehlenswert!


Das man dieselbe Strecke wieder zurück fahren muss ist absolut nicht tragisch. Die richtige Strecke führte zum großen Teil durch dichten Wald und beinhaltete zwei kleinere Furten, die beide locker zu bewältigen waren. Hinter Ceahlau sahen wir die Nordseite des Lacul Izvorul, den größten Stausee Rumäniens. Die Straße führte uns auf die 15, die wir in westliche Richtung hinab fuhren. Als ich um die Mittagzeit eine Brücke in Bradu überquerte, erschnupperte meine Nase den Geruch von Grillfleisch, aber es war kein Restaurant zu sehen, lediglich links unterhalb der Brücke war ein Marktplatz zu erkennen, dessen letzte Händler jedoch gerade mit dem Abbau ihrer Stände fertig zu sein schienen. Hinter der nächsten Kurve hielt ich an und fragte Bernd ob er es auch gerochen hätte. Hatte er - und so kehrten wir um und fuhren hinab zum Marktplatz. Fast direkt unter der Brücke fand sich ein Imbiss, in dem auf offenem Holzkohlegrill Mititei, dass sind rumänische Cevapcici, gegrillt wurden.


Bevor wir jedoch zum Imbiss gelangen konnten waren wir schon von den noch anwesenden Händlern umringt und mussten Rede und Antwort stehen, wo wir her kämen, was das für Motorräder sind, wie GPS funktioniert und welches die beste deutsche Automarke sei.


Der Chef der Imbissstube saß mit ein paar Freunden auf der kleinen Terrasse und trank Schnaps, während seine Frau und seine Tochter den Laden schmissen. Wir aßen zusammen 8 Mititei, tranken 3 Birra fara alcohol und 1 Kaffee. Nun wollten wir zahlen und die Frauen fragten den Wirt was wir zahlen sollten. Mit getrübten Blick brachte er die gerade Zahl 30 Lei über die Lippen und blickte uns treuherzig an. Während es in mir brodelte blieb Bernd ganz ruhig und erfragte die einzelnen Preise. Mititei 12 Lei und Bier je 4 Lei (was relativ teuer war) und der Kaffee 2 Lei. Daraufhin verlangte Bernd einen Zettel und einen Stift , den die Tochter auch prompt brachte und dem Wirt in die Hand drückte. Bevor dieser jedoch auch nur einen Strich auf das Papier brachte, nahm Bernd ihm mit einem Blick der keinen Widerspruch duldete den Zettel aus der Hand und fing mit der Addition an. Als wir dann bei ziemlich exakt 26 Lei angelangt waren, meinte der Wirt, dass er sich geirrt hätte und das Bier ja 4,50 Lei kosten würde. Bernd machte ihm schnell klar, dass er auch so nicht die angepeilten 30 Lei erzielen würde, während ich der Tochter die 26 Lei in die Hand drückte und mich verabschiedete. Es gab keine weiteren Diskussionen und alle Beteiligten schienen zufrieden.


Wir fuhren weiter auf der 15, die teilweise sehr gut geteert und teilweise in bombenteppichmäßigen Zustand ist. In jedem Fall führt Sie immer wieder durch sehr schöne Landschaftsabschnitte.


Kirchen finden sich zu hunderten in Rumänien, in Brancovenesti fand sich dieses schöne Bauwerk.


In der Stadt Reghin kamen wir in einer Pension unter, in der wir für die Übernachtung  inklusive abgesperrten Parkplatz für unsere Motorräder 80 Lei bezahlen. Die Hauptstraße von Reghin ist sehr gepflegt und könnte auch sonst wo in Südeuropa liegen.


Geht man - egal in welche Richtung - in die Seitenstraßen, findet man sich zweihundert Meter weiter zwischen hässlichsten Plattenbauten wieder.  Immerhin findet man genügend seelischen Beistand.

Einmal in einer Stadt wollten wir auch das Nachtleben genießen. Ein Fiasko, der 7 Tage / 24 Std. geöffnete Nightclub unter unserer Pension hätte dem CVJM alle Ehre gemacht.


Am nächsten Morgen gab es kein Frühstück und so fuhren wir ohne Kaffee los. Mein Freund Bernd (der alte Kaffeejunkie) schien unter massiven Entzugserscheinungen zu leiden, die sich ganz offensichtlich auf seinen Fahrstil auswirkten. Anders als sonst hatte ich Mühe an seinen Fersen zu bleiben, überholte ihn trotzdem unter Lebensgefahr um ihn vor dem nächsten Straßenkaffee auszubremsen.


Der Espresso den wir hier bekamen hätte Tote erweckt, nach einer Tasse standen mir sämtliche Haare zu Berge. Bernd trank vier Tassen und war dann endlich wieder in einem Zustand, in dem ich ihm folgen konnte. Wir fuhren auf der 16 in Richtung Cluj Napoca. Hier fielen wir fast in dieses Schlagloch, dass sich hinter einer schnellen Kurve befand.


Ich hatte mir von dieser Etappe nicht all zuviel erhofft und war sehr angenehm von der Schönheit der Route überrascht. Die Straße windete sich kurvenreich durch eine leicht hügelige Landschaft die aber nie monoton wirkte. In jedem Ort fand sich ein Ziehbrunnen, der auch überall noch genutzt wurde.

Die 16 führte fast schnurgerade durch Cluj Napoca, der mit über 300.000 Einwohnern drittgrößten Stadt Rumäniens. Die Stadtplaner hatten Cluj  genauso konzipiert wie alle anderen größeren Städte die wir durchquerten. Der historische Stadtkern war umgeben von düster grauen Betonburgen, die aussehen, als hätte H.R. Giger sie für einen Alienfilm entworfen. Aufgrund einer tollen Ampelschaltung gelangten wir aber in Kürze durch die Stadt und fuhren auf der 1 bis Gilau weiter, wo wir links nach Somesu Rece und dort angekommen rechts nach Marisel abbogen.


Weiter ging es auf einer schlechten und immer schlechter werdenden Straße an 3 aufeinander folgenden Stauseen vorbei in die Gilaului Berge, wobei die Landschaft immer schöner wurde.


An einem Wochentag hätten wir vermutlich deutlich weniger Verkehr auf dieser Nebenstrecke gehabt, weil aber Sonntag und somit Picknicktag war und die Sonne schien, begab sich halb Cluj in die Berge.


In Marisel fanden wir ein Restauant mit einer schönen Veranda und die Kellnerin war sehr bemüht uns unsere Wünsche zu erfüllen. Aus einer Broschüre, "How to speak to your customer" las Sie in lupenreinen rumenglisch vor was wir alles verspeisen könnten, wenn Sie es denn hätte. Schließlich einigten wir uns auf Schnitzel mit Pommes und dazu einem Ursus fara alcohol.


Kurz hinter Marisel wurde die Straße immer teerärmer, bis sie nur noch aus Lehm und Schotter bestand. Wir fuhren weiter entlang des Fantanele Stausee nach Pojana Horea.


Hier wurden auch Pferde für die Arbeit eingesetzt. Damit sie nicht fortlaufen konnten waren ihre Vorderläufe eng zusammengebunden.


Hinter Pojana Horea wurde der Weg dann noch etwas ruppiger. Auf dem Pasul Ursol bogen wir rechts ab um den direkten Weg nach Ghetari zu nehmen.


Es wurde schlammiger und schlammiger und auf Schlamm hatte ich überhaupt keine Lust mehr, nachdem mir mein Mopped schon zwei mal unter dem Hintern weggerutscht war.


Vor diesem kleinen See entschloss ich mich daher sehr zum Leidwesen von Bernd zur Umkehr und nahm den Umweg über Horea und Albac in kauf. In Horea hielten wir vor einem kleinen Staßenkaffee um uns eine Erfrischung zu genehmigen. Sofort wurden wir gefragt wo wir denn hin wollten. Ich holte die Karte aus dem Tankrucksack und erklärte, dass wir bis Albac- und dann in Richtung Garda de Sus fahren wollten. Obwohl aus der Karte eindeutig hervorging, dass wir in Albac rechts abbiegen mussten und ich auch mit dem Finger gezeigt hatte wie wir fahren wollten, betete ein älterer Mann uns ab diesem Zeitpunkt mantraartig vor, dass wir in Albac rechts abbiegen müssten und nicht links nach Vadu fahren dürften. Es dauerte noch ein paar lange Minuten bis wir unsere Getränke geleert hatten und das Kaffee genervt verlassen konnten. Nicht aus Trotz, sondern weil wir festgestellt hatten das unser Bares zur Neige ging, fuhren wir in Albac aber doch die 75 links nach Vadu Motilur und hoben dort am einzigen Geldautomaten im Umkreis von 50 km ein paar Lei ab, bevor wir denselben Weg zurück fuhren. Wir stellten gleich fest, dass die 75 durch eine wunderschöne Landschaft führt. (Dieser erste Eindruck bestätigte sich auch am nächsten Tag).


Die Strecke war in beide Richtungen recht gut befahrbar und bot sehr viel für's Auge. In Garda de Sus fand sich ein Hinweisschild auf die Gletscherhöhle die wir am nächsten Tag besichtigen wollten und so bogen wir rechts auf einen schmalen Schotterweg ab, der einem kleinen Fluss folgt. Nach etwa 2,5 km zweigte auf der rechten Seite ein schmaler Weg in die Berge ab. Ab dort wurde die Fahrt extrem holperig und an einer Stelle ging es ziemlich steil bergauf. In Ghetari angekommen fragte ich ein paar vor einem Haus spielende Kinder nach der Pension (von deren Existenz ich aus dem Internet wusste). Sie zeigten in die Richtung aus der wir gekommen waren und tatsächlich erkannte ich in der Ferne das Gebäude wieder, dass ich während meiner Planungen im Netz entdeckt hatte. 


In der Pension wohnte nur eine uralte Dame, die neben dem Haushalt noch ein paar Kühe unterhielt, die sie am Abend in den Stall trieb. Wir hatten die gesamte untere Etage zu unserer Verfügung. Die Einrichtung war einfach, aber unseren Ansprüchen tat sie Genüge. Vor dem Haus fanden sich ein paar rustikale Sanitäranlagen, die allerdings nur noch dekorativen Charakter hatten.


Am nächsten Morgen servierte uns die alte Frau noch ein gutes Frühstück, bevor wir uns zu Fuß auf den Weg zur Gletscherhöhle machten. Nach cirka 20 Minuten erreichten wir das noch verschlossene Tor zur Höhle. Wenige Minuten nach uns kam der Kassierer anmarschiert und nachdem wir ein paar Lei Eintritt gezahlt hatten, konnten wir das Gelände betreten. Die Stufen hinab zur Höhle sind abenteuerlich nach vorne geneigt und werden zu allem Überfluss auch noch extrem rutschig, je tiefer man in den Kessel hinab steigt.


Ich musste mich gut am wackeligen Geländer festhalten um nicht zu stürzen. Mit meinen Motorradstiefeln wäre ich sicherlich nicht heil hier runter gekommen.


Die Höhle selbst war nicht besonders groß, aber dennoch eindrucksvoll.


Der unterirdische Gletscher sorgte für eine erfrischende Außentemperatur von 0 Grad und wir waren froh unsere dicken Pullover mitgenommen zu haben...


..die wir uns aber auf dem steilen Rückweg ganz schnell wieder vom Leib rissen. Der Temperaturunterschied war gewaltig, nix für Leute mit schwachem Kreislauf.


Zurück in unserer Pension zahlten wir unser Zimmer, zogen uns um und fuhren den schmalen Schotterpass hinab ins Tal. Eine uns entgegenkommende Schulkasse klatsche begeistert in die Hände und winkte uns freudig zu.


Wieder auf der schönen 75 angelangt ging es gen Westen, dem letzten Karpatenpass unserer Tour entgegen. Die Auffahrt zum Pasul Vartop ist gut geteert, aber die Abfahrt hat es in sich. Neben dem herrlichen Panorama bot sie Kurven ohne ende, die bisweilen extrem gefährlich sind, weil sich plötzlich tiefe Schlaglöcher auftun, Rollsplit gestreut ist, oder ein Bus entgegen kommt, der die Kurve so schneidet, dass für einen selbst kein Platz mehr bleibt. In Stei wechselten wir auf die 76/E79, von der wir hinter Bratesti in Richtung Holod weiterfuhren. (Sehr zu empfehlen, 1. ist die Strecke neu geteert und 2. ist dort deutlich weniger los als auf der Hauptstraße).


Hinter Holud bogen wir rechts nach Hidiselu de Sus ab und befuhren dort wieder die 76. In Baile Felix, einem über 2000 Jahre alten Thermalbad, machten wir Mittagspause und speisten richtig mondän und für rumänische Verhältnisse extrem teuer. Mein Wildschweingulasch schmeckte jedenfalls gar köstlich und auch Bernd schien sehr zufrieden mit seinem Essen zu sein. Kulinarisch bestens versorgt fuhren wir weiter, passierten Oradea und waren 15 Minuten später an der ungarischen Grenze, die wir ohne größere Kontrolle überquerten. Nach kurzer Fachsimpelei mit einem hessischen GS-Fahrer, der unmittelbar nach uns über die Grenze kam und der sich schwierig gestaltenden Bezahlung der Autobahngebühr, ging es flott über Debrecen bis nach Mezökövesd und dann über Land durch Eger bis nach Bükkmogyorosd. (Was ein Zungenbrecher). Es begann schon zu dämmern und wir hatten auch beide kein Sitzfleich mehr, also starteten wir in diesem Kurort mit der Pensionssuche. Der Erste den wir wegen seines "Zimmer" Schildes fragten hatte eine Fahne und ohne seine Frau wollte/konnte er nichts entscheiden, die Zweite hatte bereits die Zimmer für Gäste hergerichtet, die am nächsten Tag kommen wollten. Kurze Zeit später standen wir vor einem geschlossenen Hotel und diskutierten was wir jetzt machen sollten, als sich ein Fenster in der oberen Etage des Hotels öffnete, ein Mann heraus blickte und in besten Deutsch fragte ob er uns bei der Wegsuche behilflich sein könnte. Wir erklärten ihm, dass wir auf Zimmersuche sein und er überlegte kurz und sagte dann, das wir im Hotel schlafen könnten, aber er könne kein Essen anbieten und unsere Anforderungen dürften nicht zu groß sein. Erfreut willigten wir ein. Dann erzählte er uns das er Rumäne sei, in den 60er Jahren in der damaligen DDR gearbeitet hatte, nach dem Mauerfall mit seiner Frau bei Offenbach gelebt hatte und gemeinsam mit ihr jetzt als Rentner dieses Hotel in Ungarn betrieb. Seine Frau sei die beste Köchin Ungarns und die Leute würden nur wegen des Essens hier her kommen, aber leider sei seine Frau erkrankt und befand sich in Deutschland im Krankenhaus, deshalb war das Hotel auch eigentlich geschlossen, da er nicht kochen könne, aber wenn wir im Restaurant keine Pizza mehr bekommen könnte würde er uns ein Gulasch seiner Frau auftauen..und und und. Uns schien der Mann war ziemlich einsam und froh jemanden zum Reden zu haben, in jedem Fall war er sehr gastfreundlich zu uns, dass zeigte sich auch am nächsten Morgen, als er uns ein bombastisches Frühstück servierte, mit einer Riesenportion Rührei mit Speck, (vom hausgeschlachteten Borstenvieh versteht sich), die meinen Cholesterinspiegel wahrscheinlich lebenslänglich in bedenkliche Höhen getrieben hatte.


Wieder auf unseren Moppeds fuhren wir nahe an die slowakische Grenze heran, folgten ihrem Verlauf bis nach Balassagyarmat und gelangten dort auf slowakisches Gebiet. Wir wollten auf Schnellstraßen und Autobahnen möglichst flott Richtung Bratislava und dann in nördliche Richtung nach Tschechien gelangen. Nach der vielen schönen Natur die wir bisher auf unserer Reise gesehen hatten, fand sich in der Slowakei das Hardcore Kontrastprogramm.


Es war brütend heiß und die stupide Autobahnbolzerei schlauchte. Während eines Rastplatzaufenthaltes entschieden wir uns deshalb dafür, wenigstens ein bißchen Landstraße zu fahren und bei Pezniok das Male, einen der westlichsten Karpatenausläufer auf der 503 zu überqueren. Gleich kam wieder etwas Freude auf. Die gut asphaltierte Straße hatte herrliche Kurven und am Gipfel einen Motorradtreff, der aber an diesem Wochentag ziemlich verlassen war. Nach der Abfahrt ging es schnurgerade weiter bis zur Autobahn E65, die kurz darauf nach Tschechien führt. Vor der Grenze fuhren wir jedoch ab, tankten noch einmal voll und fuhren dann über Land ins tschechische Breclav und weiter nach Lednice. In Lednice checkten wir im Bikerhotel ein, wobei die Zielgruppe des Hotels aus Fahrradfahrern bestand. Nach ausgiebiger Dusche besichtigten wir Lednice und waren schnell von diesem kleinen Ort begeistert.


Das dort befindliche Stadtschloss mit seinem eindrucksvollen Park ist alleine einen Besuch wert.


Wo man auch hinschaut findet sich etwas sehenswertes.


Die Orangerie konnten wir leider nur von außen besichtigen und unsere Zeit am Abend reichte auch nicht um den Parksee zu umrunden und das Minarett am Horizont aus der Nähe zu betrachten.


Nach diesem Spaziergang ließen wir den Abend mit ein paar gepflegten tschechischen Pils ausklingen.

Am nächsten Morgen regnete es und wir schlüpften gleich in unsere Pellen. Wir fuhren auf der Autobahn E65 in Richtung Brün bei gleichbleibender Luftfeuchtigkeit. Ab Höhe Brün, schon auf der E50 in Richtung Prag regnete es dann heftiger. Ich fragte Bernd ob er Lust auf einen Abstecher zur GP-Rennstrecke hätte und er war einverstanden. So verließen wir die Autobahn und wurden über Wegweiser umständlich zur Rennstrecke geleitet. 


Inzwischen goss es in Strömen und wir waren froh es uns auf einer überdachten Tribüne gegenüber der Boxengasse bequem machen zu können.


Ein paar Privatfahrer beharkten sich auf der regennassen Piste und man sah auch den ein oder anderen schönen Rutscher.


Nach einer halben Stunde verließen wir bei immer noch starken Regen den Rundkurs und begaben uns wieder auf die Autobahn. Bevor wir von der Autobahn auf die 150 in Richtung Buda runter fuhren hörte das Mistwetter endlich auf und die Sonne zeigte sich. Die Straßen trockneten schnell ab und als wir den Sasau überquerten konnten wir uns der Regenkleidung entledigen.


Unser heutiges Kulturprogramm sah den Besuch von Kostnice Sedlec in Kutna Hora vor. Das aus dem Fantasy Film Dungeons & Dragons, sowie der BBC Dokumentation "Long way round" bekannte Gebeinhaus, in dem die Knochen von 40.000 menschlichen Skeletten lagern, von denen ungefähr 10.000 kunstvoll in Szene gesetzt waren. Diesen Ort wollte ich schon immer mal ansehen und unser Rückweg bot sich hierfür prima an.



Das Ganze wirkte auf mich bizarr und erinnerte eher an Voodoo, oder Kannibalismus, als an Katholizismus.


Laut Aussage des Künstlers soll das alles aber von der Vergänglichkeit der menschlichen Hülle zeugen.


In jedem Fall ist die Inneneinrichtung dieser Kirche sehenswert.


Nach dem Kirchenbesuch überlegten wir, ob wir in Prag, oder in Pilsen übernachten wollten und entschieden uns für Pilsen. Kurz vor Prag aßen wir noch in einem schönen Restaurant in einem kleinen Ort irgendwo an der 2. Gegen 17:00 kamen wir in Pilsen an. Nun galt es eine Unterkunft zu finden, die möglichst zentral lag, eine sichere Abstellmöglichkeit für unsere Maschinen bot und nicht zu teuer sein durfte. Unmöglich? Nein, wir, (dass heißt Bernd um genau zu sein), fanden 3 Fußminuten vom zentralen Marktplatz entfernt das Hotel Slovan.


Ein ehrwürdiger Gründerzeit Bau mit 160 Betten. In einem kleinen, außerhalb angebrachten Schaukasten konnte man lesen, dass auch für Leute mit geringen Ansprüchen Räumlichkeiten zur Verfügung stehen würden. Die hätten auch gleich schreiben können, dass sie Zimmer für Endurofahrer haben. Trotzdem zögerlich fragte ich die Dame an der Rezeption nach dem Preis. Inklusive Frühstück und abgesperrten Privatparkplatz im verschlossenen und elektronisch gesicherten Innenhof würde das pro Nase umgerechnet 20 Euronen kosten. Ich sah mich gezwungen einzuwilligen. Nachdem wir eingecheckt und uns erfrischt hatten erkundeten wir Pilsen.


Eine wahrhaft schöne Stadt, liebevoll restauriert und enorm aufgeräumt und sauber. Es gab nirgends Graffitis zu sehen, dafür sorgten vermutlich die vielen Uniformierten die immer zu Zweit an jeder Ecke zu finden waren.


Wir sahen viele hübsche Kneipen und Kaffees und in einer Pizzeria spendierte mir ein netter Mann spontan einen edelen Schnaps. Bernd bekam nur deshalb keinen, weil er Cola trank und der Mann deshalb vermutete, dass er mein Chauffeur sei.


Wir bummelten bis in die Dunkelheit durch die Straßen und genossen das lauwarme Wetter, bevor wir dann doch irgendwann das Hotel ansteuerten und unsere müden Knochen in die Horizontale brachten.


Am nächsten Morgen regnete es schon wieder, aber als wir unsere Regenzeug endlich angezogen hatten tröpfelte es nur noch. Wir behielten sie trotzdem an, was auch angebracht war wie sich später herausstellen sollte. Dieser Tag war bezüglich des Wetters leider zum abhaken, auch wenn die Strecke insgesamt sehr schön war, kam keine rechte Fahrfreude auf. Pilsen war schnell verlassen und wir folgten der fast leeren 605 bis kurz hinter Stribo, wo wir auf die 230 abbogen.  Hinter Techlovize folgten wir einer schmalen Seitenstraße in nördliche Richtung und fuhren dann auf kleinen Wegen bis nach Karlovy Vary, dem ehemaligen Karlsbad.


Die Route und die Landschaft die wir dabei durchquerten war wirklich schön, aber aufgrund des anhaltend schlechten Wetters konnten wir sie nicht wirklich genießen.

Um die Mittagszeit, kurz vor der deutschen Grenze nahm ich im vorbeifahren aus dem Augenwinkel ein Schild mit der Aufschrift "Ganztägig warme Küche" wahr. Ich hupte und betätigte zusätzlich auch die Lichthupe, um den vorausfahrenden Bernd zum Anhalten zu bewegen, aber mein Kumpel bekam im strömenden Regen nichts mit, also hielt ich einfach an und wartete. Es dauerte tatsächlich ein paar Minuten bis er zurück kam. Wir fuhren in die Einfahrt vor der ich das Schild gesehen hatte und stoppten vor einer alten Mühle, in der sich jetzt ein kleines Restaurant befand. Wir zogen unsere klatschnassen Regensachen auf der Terasse aus, hängten sie dort zum trocknen über die Stühle und betraten das Gebäude. Direkt am Eingang saßen ein paar Arbeiter und nahmen ihr Mittagessen ein, sonst war nur ein Kellner zu sehen, bei dem wir erst einmal etwas zu trinken bestellten und dann gleich mit ihm ins Gespräch kamen.


Es stellte sich heraus, dass wir in Ungarn in einem Dorf übernachtet hatten, in dem seine Großeltern gelebt hatten und in Lednice seine Frau geboren war und er ein paar Jahre in Remscheid gelebt hatte und in Wuppertal, ganz in der Nähe von Bernd's Zuhause in einer Klinik operiert wurde und ob wir nicht auch der Meinung seien, dass uns diese ganzen Zufälle zu so etwas wie Verwandte machen würde. Jedenfalls wurden wir zuvorkommend und wortreich bedient und ich aß leckeres böhmisches Gulsch mit Serviettenknödel. Während wir uns die Mägen vollhauten hörte es tatsächlich mal zu regnen auf. Dennoch schlüpften wir, nach herzlicher Verabschiedung und Tips welchen Weg wir nehmen sollten, vor der Abfahrt wieder in unsere Regenkombis. Wir fuhren über den Fichtelberg nach Deutschland und dann über Plauen und Saalfeld in Richtung Illmenau.


Zwischendurch ging es bei Grochwitz tatsächlich noch einmal über eine wüste Schotterstrecke. Um 20 Uhr etwa trafen wir bei meinen Freunden in Manebach ein, denen wir schon auf unserer letzten Tour einen Besuch abgestattet hatten und verbrachten dort gemeinsam einen schönen Abend. Der nächste Tag führte uns über die Autobahn auf direkten Weg wieder zurück in die Heimat.


Mein Fazit nach über 5.000 km: Eine Supertour, körperlich teilweise extrem anstrengend, aber mental ein Genuß. Rumänien ist ein tolles Enduroreiseland, die Landschaft ist von überwältigender Schönheit, die Leute sind sehr gastfreundlich! Wir sind weder beklaut noch bedroht worden und in ländlichen Gebieten haben wir unsere Motorräder in der Nacht nicht einmal komplett abgepackt. In der Stadt haben wir das natürlich nicht gewagt, dort würde ich es aber auch in Düsseldorf, oder Köln nicht darauf ankommen lassen. (Vor Touristenfallen, in die wir wie berichtet auch hineingetappt sind, muss man sich wie in allen Ländern in acht nehmen). Die Vorurteile gegen Rumänien sind wirklich nur VORurteile.

Abschließend ein 20minütiges Video, dass hauptsächliche aus Fahrszenen besteht, die wir auf unserer Reise aufgenommen haben.


Tips für Leute die es auch mal probieren möchten:

Generell würde ich jedem empfehlen bei den aktuellen Preisen die gesamte Campingausrüstung zuhause zu lassen und in Pensionen zu übernachten. (Abseits geteerter Straßen zählt jedes Kilo und je leichter das Mopped, desto mehr Spass). Für ein ordentliches Doppelzimmer mit Frühstück muß man momentan nicht mehr als 20 € zahlen. (Für 2 Personen wohlgemerkt). Dazu kommt, das die rumänischen Zeltplätze überwiegend als mangelhaft beschrieben werden. Während der rumänischen Schulferien vom 15. Juni - 15 September ist eine Reservierung in touristischen Hochburgen empfehlenswert. Allerdings wächst die Zahl der Pensionen stetig an. Für größere Offroadabenteuer, wie z.B. den Urdele Pass, würde ich beim nächsten mal eine Pension für 2, oder 3 Tage als Basisstation nehmen, um dann ohne Gepäck mobiler im Gelände zu sein und noch mehr Fahrspaß zu haben.

Literatur:

Die Bücher Rumänien und Republik Moldau vom Reise-Know-How-Verlag, ISBN: 3-8317-1484 3 und Kulturschock Rumänien, vom selben Verlag, ISBN: 3-8317-1496 7 finde ich sehr empfehlenswert.

Web Links:

http://www.rennkuckuck.de

http://www.karpatenwilli.com

http://www.romaniatravel.com

http://www.welcometoromania.ro (englischsprachig)

Kartenmaterial

Für die Streckenplanung empfehle ich den Autoatlas Romania von Freytag & Berndt, ISBN 963 86379 9 4 im Maßstab 1:250.000

Da wir Ungarn lediglich als Transit durchfuhren reichte mir eine Karte im Maßstab 1:450.000 vollkommen aus. Magyarország Hungary Ungarn von Szervas Hiberna Dimp, ISBN 978 963 9251 73 1

Gleiches galt für Slowakien und Tschechien, hier tat es der Maßstab 1:500.000 Rep. Czeska Slowacja vom Copernicus Verlag, ISBN 83-7329-446-5

Alle Karten konnte ich sehr günstig online bei http://www.polenkarten.de bestellen

Für die Erstellung von Tracks hatte ich mir die preiswerte, aber mit sehr detaillierten Kartenwerk bzgl. Osteuropa ausgestattete SW Routenplaner Europa 5 besorgt. Wichtiger Hinweis, diese SW enthält keine detaillierten Stadtpläne, ist jedoch für die Planung von Tracks auf kleinsten Schotterpisten gut geeignet.

GPS:

Sehr brauchbares und kostenloses Kartenmaterial für Garmin Geräte findet sich auf http://www.openmaps.eu/downloads/Romania 

Reifen:

Sofern man wie wir Hin- und Rückfahrt mit dem Motorrad bewältigen möchte, empfiehl sich ein guter Allrounder. Bernd und ich hatten beide Mitas E-07 aufgezogen und sind sehr gut damit gefahren. Sicherlich bieten Mitas E-09, oder TKC-80 auf Schotter noch mehr Gripp, aber bei einem etwa 10%igen Anteil Schotter auf 5000 Km schien uns der E-07 die vernünftige Lösung. Wir hatten Reifenflickzeug und Ersatzschläuche mit, beides aber nicht benötigt. Vulcanizare - Reifenflicker, gibt es in fast jedem Dorf.

Falls mein Reisebericht gefallen hat, würde ich mich sehr über ein Feedback in meinem Gästebuch, oder/und über ein gutes Voting (5 Sterne) freuen.


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