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Island On- und Offroad

In jungen Jahren bekam ich einst einen Bildband über Island in die Hände. Fasziniert von den darin abgebildeten Wasserfällen, Geysir, Canyons und Vulkanen beschloss ich seinerzeit diese Insel unbedingt einmal zu besuchen. Dieses Jahr hatte ich mich mit der lange gewünschten Reise zu meinem 50sten selbst beschenkt. Mit dabei Bernd, mein Reisegefährte der letzten beiden Jahre. Mit den Planungen begann ich bereits im vorigen Herbst und schon im Januar waren die Schiffspassagen bestellt und drei Übernachtungen in einigen isländischen Jugendherbergen reserviert. Ansonsten wollten wir campen, wofür ich mir einen neuen warmen Schlafsack und eine besonders gut isolierende Isomatte leistete.

Fast jeden Abend las ich im Netz aktuelle Berichte über Island und horchte auf, als in der zweiten Märzwoche erhöhte Erdbebentätigkeiten im Gebiet des Eyjafjallajökull auftraten, die von einigen Wissenschaftlern als Vorzeichen einer bevorstehenden Eruption gedeutet wurden. Und tatsächlich öffnete sich dort am 20.03.2010 die Erde und spuckte Feuer. Gebannt verfolgte ich in den nächsten Wochen das Geschehen um den Vulkanausbruch und hoffte, dass er zum Zeitpunkt unseres Urlaubs noch aktiv sein würde. Nachdem sich jedoch unter dem Eis ein neuer Krater mit deutlich stärkerer eruptiver Tätigkeit gebildet hatte und die Aschewolken den Flugverkehr in ganz Europa lahmgelegt hatten, stellte der Vulkan Anfang Mai seine Tätigkeit ein und wurde am 24.05. als inaktiv kategorisiert. Schade.

Da Islands Straßen zum großen Teil aus Schotter bestehen und wir u.a. Touren in die Askja und ins Lakigebiet geplant hatten, bestellten wir für unsere Moppeds ein paar Crossreifen mit Strassenzulassung. (K74 Rear und K96 Front von Heidenau). Nachdem ich die Pneus zwei Wochen vor Reiseantritt aufgezogen hatte, hielt ich nach 200 Metern Testfahrt ganz erschrocken und in der festen Überzeugung eine Distanzhülse vergessen zu haben an, so sehr rappelte die Fuhre. Tatsächlich waren aber ausschließlich die groben Stollen für das Rumpeln verantwortlich. Es benötigte ein paar Kilometer bis ich mich an das neue Handling gewöhnt hatte.

Am 20.06. ging es dann endlich los. Wir fuhren über die Autobahn zunächst ins schöne Schleswig, übernachteten dort in der Jugendherberge und fuhren am nächsten Tag weiter in den Norden Dänemarks nach Thiested, wo wir ebenfalls in einer JH übernachteten. Bereits in Schleswig fiel uns auf, dass unsere Hinterreifen auf der Autobahn jeweils eine Mittelstolle verloren hatten und andere Stollen angerissen waren. Die Autobahnfahrt jenseits von 100 km/h hatte ihnen sicherlich nicht gut getan und im nach hinein lässt sich sagen, dass es sinnvoller gewesen wäre die Reifen erst in Dänemark, oder auf Island aufzuziehen.


In der JH trafen kurze Zeit nach uns Christina und Michael mit identischen Reiseziel ein, der erste von vielen netten Kontakten, die auf dieser Reise geknüpft werden sollten. Am 22.06 checkten wir gegen 9:00 Uhr im Hafen von Hanstholm auf der MS Noröna ein, einem schwimmenden Dorf mit Einkaufsladen, Kino, Minischwimmbad, Sauna, Bar, Kaffee und Restaurant.


Wir hatten 2 Betten in einer 4-Bett Innenraumkabine gemietet und lernten bald unsere Zimmernachbarn kennen, einen pensionierten Wohnmobilfahrer, der bereits zum fünften mal auf die Insel fuhr und Jürgen, einen Hamburger BMW 650er Dakar Fahrer.

Die 2 Tage Überfahrt waren trotz der genannten Ablenkungsmöglichkeiten ätzend langweilig und alleine mit den im Duty Free Shop erhältlichen Sixpacks kompensierbar.


Ansonsten brachte lediglich der Zwischenstop in Thorshavn auf den Faröerinseln nach 1 ½ Tagen ein wenig Abwechslung in die Monotonie der Seereise.


Bis vor 2 Jahren gab es für alle Schiffsreisenden einen zusätzlichen mehrtägigen Zwangsaufenthalt auf den Faröer, gut das diese Zeiten vorbei sind, denn auch wenn die Faröer ihre Reize haben sollen, so wollte ich doch ausschließlich nach Island.


Am Morgen des 24.06. war dann endlich Island in Sicht. Die Gipfel waren von einer tiefhängenden Wolkendecke verborgen, aber die Hänge zeigten sich in verschiedenen Braun- und Grüntönen.


An der Einfahrt in den Hafen von Seydisfjördur war von Deck aus ein kleiner Leuchtturm zu sehen und dann kam auch schon die Durchsage, dass man sich jetzt unter Deck begeben und fahrbereit machen dürfe. Bis wir dann anlegten, sich die Luke öffnete und wir von Bord konnten vergingen aber noch mindestens 45 Minuten und kaum hatte uns die Fähre ausgespuckt standen wir schon wieder. Bloß kein Trouble mit dem Zoll jetzt dachte ich mir. Bernd hatte einen eindeutig gebrauchten Benzinkanister deutlich sichtbar auf seine XT geschnallt und ich hatte eine volle Flasche Reinbenzin für meinen Benzinkocher im Koffer. Beides ist nicht statthaft, aber es gab keinen Grund für Nervosität. Eine freundliche junge Zöllnerin schritt die Reihe der Motorräder ab und verpasste jeder Maschine einen Zollaufkleber, wobei Sie jeden Fahrer zuvor fragte an welcher Stelle es genehm sei. Nach dieser Prozedur machten wir uns auf den Weg in das 25 km entfernte Egilstadir. Kurz hinter der Ortsausfahrt des Hafenstädchens fällt einem der erste Wasserfall auf. Wenn ich die Insel bereits gekannt hätte, hätte ich diesen kleinen Wasserfall wahrscheinlich kaum eines Blickes gewürdigt. So aber hielten wir genau wie fast alle Anderen von der Fähre kommenden an und bannten das Naturschauspiel auf unsere Speicherkarten.


Anschließend schraubten wir uns weiter auf den Serpentinen in die Höhe und kamen in eine dicke Wolkendecke. Gleichzeitig wurde es ungemütlich kühl und sämtliche Reiseberichte von Leuten die während ihres Islandaufenthaltes fast nur mit widrigen Wetterbedingungen zu kämpfen hatten gingen mir durch den Kopf. Nachdem wir die Passhöhe erreicht hatten und wieder aus der Wolkendecke heraus waren, stieg die Temperatur wieder spürbar an und da es nicht regnete verflogen meine Befürchtungen gleich wieder. Nach 20 Minuten hatten wir Egilstadir erreicht, betankten dort unsere Maschinen und statteten zuerst der Bank und dann dem örtlichen Supermarkt einen Besuch ab. Die Lebensmittelpreise waren moderater als befürchtet und nach dem Einkauf gab es sogar kostenlosen Kaffee für die Kundschaft. Vor dem Supermarkt befand sich eine Sitzgelegenheit mit Tisch und dort veranstalteten wir ein kleines Picknick, während wir gleichzeitig überlegten ob wir unsere Route wie geplant gegen , oder in Uhrzeigerrichtung aufnehmen wollten. Auf dem Schiff hatten wir an der Information die aktuelle Wettervorhersage erhalten und die prophezeite für den Norden schlechtes - und für den Süden passables Wetter, also entschieden wir uns für die Fahrt im Uhrzeigersinn. Nun war mein Routing im Navi ursprüngliche auf die Fahrt in die entgegengesetzte Richtung aufgebaut, folglich mußte ich die Route im GPS umkehren. Ich suchte also die Route mit dem Endpunkt Hafen, lies sie vom GPS Gerät in umgekehrte Richtung kalkulieren und schon ging es los, ohne zuvor auch nur noch einmal in die Karte zu sehen. Wir fuhren die N1 in nördliche Richtung, bis wir nach etwa 15 km in südliche Richtung auf die 924 abbogen. Das war dann auch gleich die erste Schotterpassage.


Noch sehr komfortabel zu fahren, aber immerhin. Sehr schnell wurde uns klar, dass das liebste Hobby eines Großteils der isländischen Bewohner in der Behinderung von Kraftfahrzeugen bestand. Die Rede ist natürlich von Schafen. Unsäglich unintelligentes Viehzeugs, das stets in Horden kilometerweit vor uns blökend auf dem Weg umher rannte, bis sich einer ihrer Artgenossen, - der Leithammel -, dazu entschied nach rechts, oder links vom Weg zu springen, worauf hin all anderen sofort einsahen, dass dies ja auch noch eine Option sei und es ihm nachtaten. Generell aufpassen mußten wir, wenn ein oder mehrere Jungtiere auf der einen Seite des Weges und ein ausgewachsenes Schaf auf der anderen Seite des Weges graste. In diesem Fall war nahezu garantiert, dass einer, oder alle genau in dem Moment auf die Straße hopsten, wenn wir schon nicht mehr damit rechneten. Manchmal half dann hupen, aber eine Garantie gab es nicht.


Wir fuhren durch ein parallel zur N1 verlaufendes Tal, in dessen Mitte sich ein kleiner Fluss eine ansehnliche Rinne gefräst hatte. Nach 15 km führte unsere Straße wieder auf die asphaltierte N1, von der wir nach weiteren 10 km auf die 923, erneut eine Schotterstrecke, abbogen. Kurz vor dem aus einer handvoll Häusern bestehenden Ort Bru fand sich eine winzige Kirche.


In Bru bogen wir nach rechts auf die F910 ab. Nachdem wir zuvor die ganze Zeit durch ein grünes Tal gefahren waren, sah die Landschaft ab jetzt aus, wie auf Bildern von unbewohnten Planeten.


Knapp 10 km hinter Bru dann unsere erste Furt. Auf den ersten Blick nicht besonders imposant, klares Wasser, nicht allzu tief und wenig Strömung. Dennoch ein wenig nervös, aber gut vorbereitet, taten wir was in vielen Island-Reiseberichten empfohlen wird, wir stiegen erst einmal ab und durchwateten die Furt auf der Suche nach einer günstigen Spur. Extra für diesen Zweck hatte ich mir kniehohe Neoprensocken gekauft, mit denen ich mich in meinen Crossstiefeln in flaches Gewässer begeben konnte ohne nass zu werden. Die Furt war höchstens 7m breit, maximal 30 cm tief und stellte keine Schwierigkeit dar. (Später stiegen wir für solche Pfützen nicht mehr ab).


Auf unserem Weg folgten noch 5 weiter kleinere Wasserläufe die es zu durchqueren galt. Die Landschaft wurde immer faszinierender. Eine Stein- und Sandwüste zwar, aber dennoch fesselnd.


Das es inzwischen regnete tat unserer Begeisterung keinen Abbruch. Ich war mir zu diesem Zeitpunkt aber fast sicher, dass wir nicht auf der Route waren, die wir eigentlich fahren wollten und wir warfen das erste mal einen Blick auf die Karte. Eigentlich sollten wir uns in Richtung Süden befinden, aber wir fuhren in Richtung Westen und waren Luftlinie nur noch ungefähr 40 km von der Askja entfernt. Was war passiert? In der Zeit als der Eyjafjallajökull ausbrach war kurzfristig die N1 gesperrt und ich hatte, um für alle Fälle gewappnet zu sein und für den Fall das die N1 gesperrt sein sollte, eine Alternativroute für die Rückfahrt über die F910 geplant,. Somit hatte ich zwei Routen mit dem Endpunkt Hafen im Navi und prompt die falsche erwischt. Nach kurzer Diskussion entschieden wir uns gegen eine Umkehr und für einen Richtungswechsel und fuhren nun doch über die F905 in Richtung Norden. (Mein Irrtum sollte sich bezüglich der Wetterentwicklung später noch als Glücksfall erweisen). An der 901 angekommen gab es laut Karte und Navi eine Tankstelle.


Die sah dann auch sehr originell aus. Hinter den Türen befanden sich tatsächlich zwei Zapfsäulen, die aber leider keinen Tropfen Sprit mehr hergaben.


Dafür war der Ort, Mödrudalur, ansonsten sehr idyllisch.


Weiter ging es auf der alten Ringstrasse ..


..und dann auf der neuen Ringstrasse, der N1, mit der wir erstmals wieder Asphalt unter die Räder bekamen, wenn auch nicht für allzu lange Zeit. Nach knapp 30 km bogen wir rechts auf die 864 ab und gönnten uns in Grimsstadir einen luxuriösen Kaffee mit Kuchen für umgerechnet 14 Euro. Derart gestärkt begaben wir uns wieder auf die Wellblechpiste in Richtung Dettifoss. Schnell hatten wir raus, dass sich Wellblech am besten mit Geschwindigkeiten jenseits der 60 km/h befahren lässt, da man dann regelrecht über die Wellen fliegt und so fuhren wir mit 70 - 80 Sachen über die Piste und kamen unserem Ziel rasch näher.


Der Dettifoss ist wirklich imposant und ehrfurchteinflößend. Eine Besonderheit auf Island ist sicherlich auch, dass es hier nirgends Beschränkungen in Form von Absperrungen oder Verboten gibt und man deshalb spektakuläre Aussichtspunkte wählen kann.


Auf Gefahren wird zwar hingewiesen, aber letztendlich wird die Eigenverantwortung und Mündigkeit der Menschen akzeptiert. Toll!


Ein paar hundert Meter hinter dem Dettifoss ergießt sich der Hafragilsfoss in den breiten Canyon den der Jökulsa a Fjöllum sich im Laufe der Jahrtausende gegraben hat.


Nach ausgiebiger Besichtigung der eindrucksvollen Landschaft fuhren wir weiter zu unserem Tagesziel, dem schön gelegenen Campingplatz direkt am hufeisenförmigen Asbyrgi Canyon. Der Canyon ist der Legende nach durch einen Hufabdruck von Thors achtbeinigen Pferd entstanden, tatsächlich aber eher auf einen alten Flusslauf des Jökulsa a Fjöllum zurück zu führen. Nachdem die Zelte aufgebaut waren und wir geduscht hatten, kochten wir uns noch 2 Portionen chemische Keule aus der Tüte und danach gab es als Schlummertrunk noch einen Schluck Whisky der im Duty Free Shop der Fähre erstanden war. Die Mitternachtssonne hinderte mich nicht am schlafen und Bernd’s Schlafmangel war eindeutig einer löchrigen Luftmatratze und einem zu dünnen Schlafsack geschuldet, sowie seiner inneren Uhr, die noch nicht mit der isländischen Zeit einherging. Er sah sich daher schon recht früh veranlasst den laut fauchenden Benzinkocher anzuwerfen um Kaffee zu brauen. Und so kam es, dass wir um 7:00 die einzigen Touris waren,


..die in geschnürten Wanderschuhen das Plateau des Canyons erklommen hatten und seine Schönheit von oben bewunderten.


Zurück am Campingplatz hatten wir schnell unseren Zeltkram zusammengepackt und waren nach einem kurzem Frühstück an der nahe gelegenen Tankstelle knapp 1 km gen Westen gefahren, bevor wir nach links auf die F862 abbogen, um parallel zum Jökulsa a Fjöllum in Richtung Dettifoss zu fahren. Nach weiteren 10 km zeigte sich, dass nicht alles planbar ist (und auf Island sowieso nicht). Direkt bei der Abfahrt in den Jökulsárgljúfur-Nationalpark befand sich ein Durchfahrtsverbotschild. Die Piste war wegen Wartungsarbeiten für die Zeit zwischen 7:00 und 17:00 gesperrt und wir hatten gerade mal 11:00. Wir beschlossen die steile Abfahrt in den Nationalpark einzuschlagen und dann zu entscheiden wie wir unsere Reise fortsetzen wollten.


Ein Jeepfahrer hatte hier wohl kurz vor unserer Ankunft seine fahrerischen Fähigkeiten überschätzt, zumindest wiesen die noch frischen Spuren am Unfallort darauf hin.


Der kleine aber wunderschöne Nationalpark, von dessen Existenz ich zuvor keinerlei Kenntnis hatte, lag gut versteckt und war ausschließlich über die Straße über die wir gekommen waren erreichbar. Direkt am Anfang befand sich ein Campingplatz und eine Blockhütte, in der die Ranger ihr Domizil hatten. Eine sehr nette Rangerin gab uns dann auch bereitwillig Auskunft und um uns noch bessere Tipps geben zu können, rief sie sogar über ihr Handy eine Freundin an, die sich in dem Gebiet noch besser auskannte. (Auch alle anderen Ranger mit denen wir künftig zu tun hatten zeichneten sich durch ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft aus). Und so fuhren wir über winzige Feldwege in die Ebene zwischen Jökulsa a Fjöllum und Myvatn.


Hier wuchsen hunderttausende Buxbäumchen zwischen denen sich hunderte von Schafen tummelten .. und wir. Das Fahren machte einen Riesenspaß und die Feldwege waren auch nicht ganz anspruchslos. Besonders aufpassen mußten wir immer wieder auf die riesigen und tiefen Felsspalte, die sich unerwartet vor uns auftaten. Circa 10 km vor dem Krafla stellte sich uns ein langer elektrisch geladener Zaun in den Weg. Wieder war uns unsere Route versperrt.


Der Versuch den Berg und den Zaun rechtsseitig zu umfahren endete vor einem gewaltigen Lavafeld, dass der letzte Ausbruch des Krafla verursacht hatte. Uns blieb nichts übrig als den selben Weg zurück zu fahren, den wir gekommen waren.


Da die kleinen Feldwege weder auf der Navisoftware, und nur teilweise auf der Karte verzeichnet waren, hielten wir uns in westliche Richtung um auf eine Kreuzung zu treffen, von der aus wir in den Süden, in Richtung Myvatn gelangen konnten. Dies misslang jedoch und so fuhren wir immer weiter westwärts, bis wir uns über der Bucht von Husavik befanden.


Es war inzwischen 18:00 und wir waren ordentlich ausgepowert. In Husavik statteten wir dem Supermarkt einen Besuch ab und stärkten uns erst einmal, bevor es über die 85 und die 87 zum Myvatnsee ging. Den See umkreisten wir einmal links herum, bevor wir einen Campingplatz in Vogar, nahe des großen Explosionskraters Hverfell fanden. (Die in einigen Karten und auch im GPS Material verzeichneten Campingplätze im Süden des Myvatn existierten nicht mehr).


Gleich beim einchecken musterten 3 andere Motorradfahrer unsere Maschinen. Wir kamen sofort ins Gespräch und hatten einen sehr unterhaltsamen Abend. Darren, ein Engländer der ganz fantastische und authentische Videoclips bei YouTube publiziert, Oda, sein norwegischer Kumpel und ein weiterer Engländer, dessen Namen ich leider vergessen habe, waren mit gemieteten 650er BMW Enduros unterwegs und beneideten uns, weil wir uns Etappen leisten konnten, die sie mit Mietmaschinen aufgrund der damit verbundenen Gefahren und der geleisteten hohen Kautionszahlungen nicht riskieren wollten. Am nächsten Morgen zeigte uns Oda noch auf seinem Netbook einige ihrer bisher aufgenommenen Videos und es lies sich erkennen das die Jungs hierbei ziemlich ambitioniert zu Werke gingen.


Wir verabschiedeten uns in der Frühe von einander und fuhren die N1 über die Erhebung hinter dem Myvatn in nordöstliche Richtung um des Sulfatarenfeld Hverarönd zu besichtigen.


Hier fanden sich brodelnde Quellen, blubbernde Schlammpfützen und fauchende Dampfkegel.


Es roch extrem nach Schwefel, teilweise raubte es einem fast den Atem.


Und wieder waren wir die ersten und einzigen Touristen vor Ort und hatten das ganze Areal für uns alleine.


Erst als wir unsere Besichtigung abgeschlossen hatten kamen weitere Besucher angefahren. Wir fuhren wieder über den Berg zurück und folgten der N1 bis Graenavatn, dort bogen wir links auf eine kleine Schotterstrasse ab, die bald in einen schmalen Feldweg mündete.


Wir waren jetzt auf dem Weg zur Askja und uns stand das größte Abenteuer dieser Reise bevor, aber davon wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Zunächst ging es gemächlich auf leichten Schotter und fester Erde nach Süden.


Wir passierten den Berg Sellandafjall und betraten das Gebiet der Askja.


Nicht viel später kamen wir an den Fluss Sudura. Bis hierhin war alles ziemlich einfach zu fahren. Dann verlor Bernd in einer stark sandigen Passage kurz die Kontrolle über seine XT und schlingerte wild vor mir her. Ich war zu dicht aufgefahren, musste bremsen, geriet in eine Spur und lag mit meinem Lenker rechts auf der in 90° Winkel ansteigenden Böschung auf, die exakt dieselbe Höhe wie der Lenker selber hatte. Ich stieß mich vom Motorrad auf die Böschung ab und machte dort einen Purzelbaum. Der anschließende Blick zurück auf meine Maschine deutete zunächst auf keine Probleme hin. Sie stand da wie an der Böschung geparkt. Erst auf den zweiten Blick erkannte ich, dass der Handbremshebel abgebrochen war. Zum Glück hatte ich einen Ersatzhebel dabei, der in kurzer Zeit angeschraubt war. Nervig dabei waren die tausend Mücken, die während der Montage in alle Körperöffnungen zu gelangen versuchten. Kurze Zeit nach der Reparatur erreichten wir ein gewaltiges Lavafeld, in dem die Fahrspur bisweilen nicht mehr erkennbar war und mein GPS unverzichtbar wurde.


Wir fuhren wie Trialfahrer extrem langsam und ausschließlich stehend zwischen gewaltigen Felsbrocken über scharfes Lavagestein.


Immer wieder kamen wir über Hügelketten hinter denen wir uns so etwas wie einen erkennbaren Weg, bestenfalls aus Schotter erhofften, aber es folgte stets ein weiteres Lavafeld.


Was dann irgendwann einmal folgte war noch viel schlimmer,..Tiefsand! Angeblich teilen sich Endurofahrer in Tiefsandhasser und Tiefsandliebhaber. Seit Island zähle ich mich zu den erstgenannten.


Solange es geradeaus ging, machte ich es genau so wie ich es in diversen Anleitungen gelesen hatte. Arme gestreckt, Hintern weit nach hinten und kräftig am Gas gedreht. So kam ich die erste Passage ordentlich voran und fühlte mich schon unbesiegbar. Dann kamen langsame Passagen mit engen Kurven und ich purzelte permanent vom Mopped weil der Lenker mir einfach nicht mehr gehorchen wollte.


Zum Glück war Bernd mit seinen Bärenkräften stets zur Stelle um mein Motorrad wieder mit aufzurichten, ohne ihn wäre das Unternehmen 100%ig anders abgelaufen. Zu allem Überfluss fiel ich bei einem Sturz mit dem Brustkorb auf meinen eigenen Ellenbogen und spürte einen kräftigen Stich in den Rippen. Schon befürchtete ich, dass wir hier ohne fremde Hilfe nicht mehr rauskommen würden und bereute mich im Vorfeld nicht mehr um meine Fitness gekümmert zu haben. Irgendwie hatte ich dann doch immer wieder die mentale Kraft aufzustehen und weiter zu machen.


Die letzten 30 km zogen sich wie Kaugummi. Laut Karte mußten wir jetzt bald auf die F910 stoßen und ich hoffte, dass die F-Straße tatsächlich mehr einer Straße glich als der bisher befahrene Track.


Als wir dann endlich die F910 erreichten, stellte sich heraus, dass es beim Tiefsand blieb und lediglich der befahrbare Weg breiter wurde. Die letzten 7 Kilometer ging es dann nahezu nur noch geradeaus, also wieder die Arme ausgestreckt, den Hintern nach hinten und am Gas gedreht. So donnerte ich mit bis zu 80 Sachen dem Askja Camp entgegen und verschwand aus Bernd’s Blickfeld, der mich in diesem Moment für vollkommen durchgeknallt hielt wie er mir später mitteilte. Als ich schließlich ohne weiteren Sturz den letzten Hügel vor dem Camp genommen hatte und endlich wieder Schotter unter den Rädern hatte, mußte ich tatsächlich eine Weile warten bis mein Freund ankam. Als wir das Camp erreicht hatten, setzte ich mich völlig erschöpft auf die Veranda der Rangerhütte. Eine Rangerin kam heraus, sah mich an und sagte "you’re looking tired" und ich antwortete nur "yes and I’m so glad to be here".


Das Camp war fast leer und wir konnten ein Bett im Schlafsaal erhalten. Nach einer Dusche warf ich noch einen Blick in die Drachenschlucht..


.. und dann begaben wir uns in die Küche und lernten direkt wieder nette und interessante Leute kennen. Robert aus Bayern, der mit seinem Allrad Island erforschte und Markus aus Innsbruck, einer jener Heroen, die sich mit dem Fahrrad ins Hochland trauen. Auf Island trafen wir fast nur auf Abenteurer und Individualisten, diesen Eindruck hatte ich schon auf der Überfahrt und er verfestigte sich täglich. In der Nacht konnte ich trotz totaler Erschöpfung nicht direkt einschlafen und drehte mich irgendwann nach rechts, wobei ich das Gewicht auf meinen Brustkorb verlagerte. Ich vernahm einen deutlich hörbaren Knacks, in jedem Fall stach es in diesem Moment gewaltig in der Brust und ich war mir sicher, dass die Rippe spätestens jetzt gebrochen war. Am nächsten Morgen zogen wir uns nach einem frugalen Frühstück unsere Wanderstiefel an und fuhren die paar Kilometer bis zum Parkplatz vor der Caldera. Dann wanderten wir bis zum Explosionskrater Viti.


Mal wieder waren wir Frühaufsteher die ersten und einzigen Menschen an einem großartigen Aussichtspunkt. Völlig beeindruckt standen wir in der 5 km Durchmesser großen Caldera.


Was muss das für eine unglaublich gewaltige Explosion gewesen sein, die diesen Krater geschaffen hat. Im kleinen Explosionskrater Viti befindet sich milchgraues warmes Wasser in dem man auch baden kann, wonach uns aber nicht war.Auf dem Rückweg zum Parkplatz kamen uns drei junge Leute entgegen, die ein kleines Kajak zum Kratersee trugen.

Zurück im Camp fragte ich die Rangerin welcher Rückweg für uns günstiger sei, die F88, oder die F910. Die Rangerin verwies auf die F910, da ihrer Meinung nach die Furten auf der F88 gefährlicher sein. Also verabredeten wir die F910 zu fahren. Zunächst verlaufen beide F-Routen auf derselben Strecke, dann biegt die F910 rechts ab.


Und was fanden wir vor, kaum das wir auf die F910 abgebogen waren? Genau, Tiefsand. Und wer versenkte nach 100m Tiefsand sein Motorrad in demselben? Genau, ich. Bevor ich Bernd sagen konnte, dass ich trotz der Bedenken der Rangerin gerne umkehren und auf der F88 weiter fahren würde, hatte er schon verstanden und seine XT gewendet. So fuhren wir also die F88 und warteten gespannt auf die ersten Furten. Ein ständiger Begleiter auf dieser Strecke ist der Vulkan Herdubreid.


Die erste Furt machte uns keine allzu große Mühe. Nach einer Querung zu Fuß hatten wir schnell eine gut befahrbare Spur ausgemacht und das Wasser passiert.


Die zweite Furt war wesentlich problematischer. Das Wasser ging mir bis zum Schritt, hatte eine starke Strömung und der Fluss war voller Kindskopf großer Steine. Wir entschlossen die Motorräder im 1. Gang durch das Wasser zu schieben und auch das war anstrengend genug, gelang aber ohne Zwischenfall, mal abgesehen davon, dass Bernd’s Stiefel und Hose mit Wasser voll liefen.


Die letzte Flussquerung war am lustigsten. Kurz nachdem wir an der Durchfahrt angelangt waren und das Wasser auf der Suche nach einer günstigen Spur durchschritten, kam eine Karawane von 4 Allradfahrzeugen angefahren, die den Fluss querten, jedoch auf der anderen Seite anhielten. Aus den Autos sprangen mit Digicams und Videokameras bewaffnete Menschen, die uns bei unserer Durchfahrt ablichten wollten. Irgendwie beschlich mich das Gefühl, dass es ihnen nicht unrecht wäre einen von uns im Wasser landen zu sehen. Diesen Gefallen taten wir ihnen jedoch nicht und querten nacheinander die Furt als würden wir das täglich machen. Auf der anderen Seite angekommen klatschten die Allradfahrer frenetisch in die Hände. Gute Menschen, ich hatte sie vollkommen falsch eingeschätzt.

Ansonsten hielt die F88 keine Überraschungen bereit und wir kamen zügig weiter bis zur N1. Meine Tankanzeige war inzwischen schon seit 90 km auf Reserve und Bernd hatte seinen Tankhebel vor 30 km auf Reserve umgelegt. Bis zur nächsten Tankstelle am Myvatn See waren es noch 30 km. Wir entwarfen abstruse Notfallpläne, verwarfen sie aber alle und fuhren letztendlich einfach mit 70 km/h weiter. Tatsächlich schafften wir es über den Hügel hinter den Sulfatarenfeldern und rollten dann bis zur Tankstelle.

Kurz darauf checkten wir erneut auf demselben Campingplatz ein, den wir vor 2 Tagen verlassen hatten, nahmen aber diesmal einen Container mit 2 Etagenbetten. Die Wohncontainer waren mit Heizungen ausgerüstet und so konnten wir unsere Wäsche waschen und zwischen den Betten zum trocknen hängen. Nachdem wir geduscht waren und gegessen hatten, fuhren wir in die "Grüne Lagune". Hier lies es sich gut aushalten. Über dem Myvatnsee, mit Blick in den Schlund des Hverfell Vulkans badeten wir in herrlich warmen Wasser, machten ein paar Saunagänge und entspannten unsere müden Knochen bis Mitternacht. Kurz bevor das Bad schloss machten wir uns bei taghellen Licht auf in unsere Unterkunft.

Gut ausgeschlafen frühstückten wir kurz, bevor wir unsere Sachen auf den Moppeds verzurrten und uns erneut auf den Weg machten. Es sollte heute nach Hveravellir gehen und nach den letzten beiden anstrengenden Offroadtagen sollte an diesem Tag vorwiegend Asphalt unter die Räder genommen werden. Aber dann kam wieder mal alles ganz anders.


Wir fuhren zunächst bis zum Goddafoss,


..einem sehr hübschen, aber auch gut besuchten Wasserfall der direkt neben der N1 liegt.


Weiter ging es, immer durch wunderschöne Täler bis nach Hals, wo wir links auf eine schmale Schotterpiste abbogen, später den Fnjoska über eine Fußgängerbrücke überquerten und dann auf der 832 über den Hügelkamm nach Akureyri fuhren.


Auf der gesamten Abfahrt hatten wir eine herrliche Aussicht auf die Bucht von Akureyri. Im Hafen der Stadt lag ein großes Kreuzfahrtschiff vor Anker.


Nach einem Snack an einer Imbissbude ging es weiter auf der N1 bis nach Varmahlio. Ab Varmahlio stand nur noch Schotterpiste zur Verfügung. Zunächst fuhren wir über die 752 und 751 bis Tunguhals und bogen dann nach rechts auf eine namenlose Piste ab, die uns in Richtung Kjölur bringen sollte.


Diese Route hatte es mal wieder in sich. Für die knapp 20 km benötigten wir mehr als eine Stunde.


Abgesehen davon, dass es landschaftlich wieder sehr reizvoll war, war es auch sehr anstrengend und bescherte mir erneut zwei ungewollte Bodenkontakte. So empfand ich die anschließende Fahrt auf der 35 in die Kjölur als sehr entspannend. Wieder einmal eine Wellblechpiste, auf der man mit 70 - 80 km/h prima voran kam. Gegen 21:00 erreichten wir das Camp in Hveravellir und enterten direkt die Bar.


Wir erkundigten uns zunächst nach freien Betten- und dann, geschockt vom Preis- nach einem Bier. Der Preis schockte uns dann noch mehr, wir leisteten aber keinen Widerstand und nachdem das erste Bier verkostet war, spielte Geld keine Rolle mehr. Ausgehungert wie wir waren, wirkte der Alkohol sofort und wir fingen an die anderen Anwesenden mit unseren bisherigen Erlebnissen zu amüsieren. Außer uns waren nur Landsleute, Rena und Bernd, Christian und Nicole und noch ein Schweizer, Christian, anwesend. Sogar Andi, die Bedienung, outete sich als deutsche Ferienjoberin, nachdem ich mich zuvor die ganze Zeit auf englisch mit ihr unterhalten hatte.


Es wurde ein wirklich spaßiger Abend, den Bernd, der Schweizer Christian und ich um Mitternacht mit einem ausgiebigen Bad im warmen Wasser des in unmittelbare Nähe befindlichen Naturbeckens ausklingen ließen. Der nächste Morgen verlief dann allerdings zunächst ein wenig zäh und bis wir ausgenüchtert und abfahrbereit waren, war es schon fast Mittag. Davor spazierten wir aber noch durch das Sulfatarenfeld von Hveravellir.


Nachdem wir uns von allen verabschiedet hatten, begaben wir uns erneut auf die Kjölurpiste, auf der wir uns ein kleines Wettrennen mit einem der Hochlandbusse lieferten.


Der Fahrer erwies sich aber als genau so fair wie alle anderen isländischen Verkehrsteilnehmer und ließ uns jedesmal passieren wenn wir, -nach einer unserer Pausen während der er uns wieder eingeholt hatte-, erneut in seinem Rückspiegel zu sehen waren.


Gegen 14:00 erreichten wir den Gullfoss, bestimmt einer der schönsten Wasserfälle Islands.


Diesmal waren wir allerdings nicht die ersten. Der große Parkplatz war brechend voll, aber da sich mindestens die Hälfte der Menschen im Souveniershop rumtrieben und das Gelände weitläufig ist,


..konnten wir auch hier schöne Aufnahmen machen und den Spaziergang genießen.


Nicht weit vom Gullfoss trifft man auf Geysir, einer weiteren Attraktion die ebenfalls in hoher Taktzahl von Touristenbussen frequentiert wird.


Der alte Geysir, der allen anderen Wasserfontänen weltweit seinen Namen gegeben hat, spuckt nach einem Erdbeben nur noch sehr unregelmäßig mit Wasserdampf, der kleinere Stokkur dafür fast alle 3 - 5 Minuten.


Obwohl das Schauspiel durchaus faszinierte, blieben wir nicht besonders lange. Es waren einfach zuviel Menschen vor Ort. Eine knappe halbe Stunde später waren wir in Laugarvatn, wo ich uns ein Zimmer in der Jugendherberge reserviert hatte. Die Leiterin empfing uns sehr freundlich und zeigte uns das Gebäude, dass früher mal die Post des Ortes war. Erfreut registrierten wir den hauseigenen Hotpot im Garten. Ein kleiner Pool für 6 Personen, den man selbst nach Bedarf mit Wasser aus der heiß Quelle befüllen konnte. Dort verbrachten wir dann, ausgerüstet mit einem Sixpacks Dünnbier den Abend und teilten uns das Becken mit einem netten belgischen Pärchen, dass auf einer GS unterwegs war. Nachdem der Vorabend uns den ersten Regen seit unserem Ankunftstag beschert hatte, sahen wir am Morgen wieder einen blauen Himmel mit wenigen Wolken. Wir wollten an diesem Tag über Pingvellir auf die Kaldidalur bis zum Hraunafossar und am darauf folgenden Tag wieder zurück zur Jugendherberge in Laufgarvatn. Bis Pingvellir waren es nur knapp 20 km, die teils auf geschotterten, teils auf asphaltierten Weg zurückzulegen waren.


Als wir uns dem Parkplatz des Cafes und Campingplatzes von Pingvellir näherten, erkannte ich schon aus der Ferne ein uns bekanntes Fahrzeug.


Wie es der Zufall wollte trafen wir hier auf Jürgen, unseren Kabinenmitbewohner auf der MS Noröna. Er war gerade von Norden in teilweise dichten Nebel über die Kaldidalur gekommen, aber von dem was er sehen konnte begeistert. Bei einer Tasse Kaffee tauschten wir unsere Erlebnisse aus. Jürgen war tief beeindruckt vom Anblick unserer Reifen


und er zweifelte stark daran, dass wir es mit denen bis zur Fähre schaffen wenn wir auch weiterhin Strecken wie die Kaldidalur fahren würden. Ich hegte zwar inzwischen selbst starke Zweifel, aber für Bernd war das Glas halb voll und so machten wir uns bald auf den Weg.


Schon gleich zu Beginn der Fahrt, noch auf der 52, bot sich uns erneut eine eindrucksvolle Landschaft. Kurz nachdem die 52 links von der Kaldidalur abbiegt findet sich eine Nothütte, die wir uns bei einem kurzen Stop näher betrachteten.


Die Hütte war neben einer Pritsche mit Decken auch mit einem Gaskocher, Trockennahrung und einem Funkgerät ausgerüstet.


Die Kaldidalur war eine einfach zu befahrende Schotterstrecke und sogar ein paar wenige normale Straßenfahrzeuge trauten sich hier zum Sightseeing über den Pass.


Auf der Passhöhe fand sich ein kleiner aus Steinen zusammengesetzten Hügel.


Anders als Jürgen ein paar Stunden zuvor hatten wir keinen Nebel und genossen die sich bietenden Aussichten. Der Weg von der Passhöhe nach Norden in die Ebene war kürzer und ließ sich auch schneller fahren als die Auffahrt. An der Breite des Geröllfeldes, in dass der Hvita gebettet ist war abzulesen welche Wassermassen sich hier während der Schneeschmelze durch das Tal wälzen.


Wir bogen nach links auf die asphaltierte 518 ab und fuhren auf ihr knapp 10 km weit, bevor wir den Hraunafossar und den Barnafoss erreichten.


Erstgenannter ergießt sich über eine Länge von mehreren hundert Metern aus unterirdischen Quellen direkt aus dem Lavagestein wie ein Fächer in den Hvita, der Zweite liegt unmittelbar davor und ist ein Wasserfall im Hvita, der weniger aufgrund seiner Größe oder Schönheit, sondern wegen seiner Sage berühmt ist.


Nachdem wir uns satt gesehen hatten, fuhren wir die 518 ungefähr 9 km zurück zum empfehlenswerten Campingplatz bei Husafell und mieteten uns eine kleine beheizte Hütte.


In der dazugehörigen Küche mit Esszimmer, die in einer separaten Blockhütte untergebracht war und die sich jeweils 6 Minihütten teilten, bereitete ich uns zwei Portionen Fertiggericht aus der Tüte, die wir hungrig verschlangen. Am Nachmittag relaxten wir in den Hotpots des auf dem Campingplatz befindlichen Schwimmbades. Am Abend unternahmen wir noch einen ausgedehnten Spaziergang über das nahe Lavafeld bis zum Hvita, in dessen Flussbett wir ein Stück stromaufwärts wanderten. Zurück in unserem Verschlag fiel ich schnell in tiefen Schlaf. Der nächste Morgen machte durch ein prasselndes Geräusch auf sich aufmerksam. Es war unser achter Tag auf Island und erstmals regnete es am Morgen. Wir frühstückten kurz, packten unser Zeug zusammen, schlüpften in unsere Pellen und fuhren Richtung Westen zum Borgafjord.

Kaum hatten wir die Küstenregion erreicht, sahen wir uns mit einem heftigen Sturm konfrontiert. Der Wind blies ziemlich gleichmäßig von der Küste auf’s Meer, somit mussten wir auch auf gerader Strecke immer in linker Schräglage fahren, auch durch weite Rechtskurven, was von hinten wie ein Filmtrick aussah. Später erfuhren wir, dass der Orkan an der Südküste einige Campingwagen und Fahrzeuge mit hohen Aufbauten umgeworfen hatte und die N1 deshalb für den Bussverkehr gesperrt worden war. Uns reichte es bereits auf der N1 an der Westküste und vor dem Hvalfjord bogen wir auf die 47, auch in der Hoffnung dass der Wind hier nicht so stark sein würde, was sich sehr schnell als Wunschdenken herausstellte. Irgendwann passierten wir linksseitig eine kleine Tankstelle auf die ich in Gedanken an Bernd’s kleineren Tank mit meiner linken Hand deutete und dabei in den Rückspiegel schaute um seine Reaktion wahrzunehmen, aber der schüttelte nur energisch mit dem Kopf und winkte in Fahrtrichtung. Also fuhren wir weiter. Bis Miosandur war die Fahrt ein Balanceakt, dann waren wir anscheinend im Windschatten der Berge und konnten das erste mal die Schönheit des Fjords würdigen.


Die Straße war gut asphaltiert und bei schönen Wetter wäre es bestimmt eine Wonne gewesen hier entlang zu cruisen, aber bei dem seit den Morgenstunden anhaltenden Regen hielt sich der Spaß in Grenzen.

Über die 48, eine breite Schotterstrecke, ging es auf die 36 in Richtung Pingvellir. An einem kleinen Rastplatz fand sich dieser merkwürdige Steingarten.


Ich kenne diese Steinberge von Wanderwegen, wo sie zur Wegemarkierung dienen, einige Isländer aber verbinden mit dem Bau von Steintürmchen auch noch den Zwecke. sich vor bösen Trollen zu schützen. Bernd glaubte nicht an derlei Geschichten und demonstrierte, ohne zu wissen was gleich passieren würde, was gleich passieren würde.


Bernd hatte kein Steintürmchen gebaut, was sich Minuten später bitter rächen sollte. Als ich einen Kilometer hinter dem Parkplatz in den Rückspiegel schaute war da kein Bernd zu sehen, statt dessen in der Ferne ein Auto mit eingeschalteten Warnblinklichtern. Im nu hatte ich gewendet und war am Ort des Geschehens. Die Trolle hatten Bernd seinen letzten Tropfen Sprit geklaut. Auf der abschüssigen Straße war sein Mopped ausgegangen und Bernd hatte während der Fahrt die Kupplung gezogen, das Mopped ein wenig geschüttelt und über den Anlasser wieder starten können. Dann hat er die Kupplung wieder schnappen lassen, aber im gleichen Moment hatten die Misttrolle auch noch seinen allerletzten Tropfen Sprit geklaut und der Motor wollte ohne nicht weiterlaufen und hatte einfach seine Dienste eingestellt, woraufhin das Hinterrad blockierte und ihm die ganze Fuhre unter dem Allerwertesten weg schmierte. Zum Glück war weder ihm noch seinem Miststück schlimmeres passiert. Bernd hatte nur noch einen Liter Sprit im Reservekanister und wir mussten noch mindestens 25 km bis zur nächsten Tanke zurück legen. Nachdem wir die Reserve eingefüllt hatten, fuhren wir zunächst mal ins Café bei Pingvellir und tranken zur Beruhigung 2 Tassen Schwarzgebrauten. Dann unternahmen wir eine kleine Expedition in die Kontinentalspalte.


Aufgrund des anhaltenden Regens waren wir die einzigen Menschen die sich hier tummelten und wir genossen den Aufenthalt und kletterten über die Felsen.


Von oben erspähte Bernd noch eine schmalere Spalte auf der anderen Seite der parallel zur Schlucht verlaufenden Straße. Die nahmen wir dann auch in Augenschein. Als wir dort ankamen entdeckten wir eine Leiter, über die wir in die Spalte hinab klettern konnten. Tief unten in der Spalte befand sich Wasser. Inzwischen weiss ich, dass dort auch getaucht werden kann.


Zurück im Café mußten wir uns über eine Busladung amerikanischen Touristen wundern, die hierhin gekarrt wurden und sich dann ausschließlich im Café aufhielten. Danach galt es nach Laugarvatn zu kommen, aber natürlich war das mit nur einem Liter Sprit und extremen Gegenwind, mit dem wir jetzt zu allem Überfluss auch wieder zu kämpfen hatten, nicht möglich und etwa 8km vor Laugarvatn machte Bernd’s XT ihren letzten Hub. Da Sprit abzapfen von meiner Maschine aufgrund ihrer bautechnischen Eigenheiten nicht ohne weiteres möglich war und wir nicht bei Starkwind und Regen werkeln wollten, vereinbarten wir, dass ich Bernd’s Reservekanister mit nach Laugarvatn nehme, ihn dort auffülle und dann wieder zurück komme. Also kämpfte ich mich sprichwörtlich durch Wind und Wetter nach Laugarvatn und zurück und irgendwann waren wir dann endlich wieder in der Jugendherberge, wo wir diesmal ein Apartment mit Kochzeile, Badezimmer und eigenem Eingang bekamen. Nachdem wir geduscht und gegessen hatten gingen wir, was für eine Überraschung, in das örtliche Freibad und entspannten uns dort in den unterschiedlich temperierten Hot Pots und in der Sauna.

Tags darauf war der Himmel zwar bewölkt, aber immerhin regnete es nicht mehr und die Wettervorhersage lies auf trockene Fahrt hoffen. Gegen 9:30 machten wir uns auf und fuhren in südöstliche Richtung bis auf die 32, die später in die F26 übergeht.


Unser Tagesziel war Landmannalaugar. Mitten in der Ödnis findet sich neben der F26 der Ort Hrauneyjar, der lediglich aus einem Kraftwerk und einem Hotelrestaurant inklusive Tankstelle besteht. Hier gab es erst einmal zwei Tassen Kaffee, bevor es um den See Hrauneyjalón herum auf die 208 ging. Dort wo das Wasser des Hrauneyjarlón sich mit dem Wasser des benachbarten Krókslón Sees trifft, schien es als würde Essig mit Öl gemischt.


Die 208 war wieder eine Schotterstrecke mit einigen wenigen sandigen Passagen. Sie führte uns durch eine schöne Vulkanlandschaft, vorbei an wilden Gewässern und immer schöner aussehenden Bergen.


Kurz vor Landmannalaugar finden sich zwei direkt aufeinander folgende Furten, die beide problemlos bewältigt wurden. (Obwohl Bernd sich die tiefste Rinne zur Querung ausgesucht hatte und unbedingt einen neuen Tauchrekord für XTs aufstellen mußte).


Es herrschte ordentlich Betrieb auf dem gesamten Gelände.


Nach Begutachtung des steinigen Bodens gönnten wir uns ein Quartier im Bettenlager. Nachdem wir uns umgezogen und die Wanderschuhe geschnürt hatten, begaben wir uns auf eine knapp 3stündige Wanderung durch und um das grandiose Lavafeld, das man nach einem kurzen Aufstieg direkt hinter dem Campingplatz findet.


An einigen Stellen stieg Rauch aus der Erde hervor und der Geruch von Schwefel lag in der Luft.


Zum Wandern war die Gegend einfach fantastisch.


Trotz einsetzenden Regens zeigten sich die Berge in einer beeindruckenden Farbvielfalt.


Die vielbeschriebene Magie dieser einmaligen Landschaft hinterließ auch bei uns ihre Wirkung.


Ein weiterer Höhepunkt ist der Naturhotpot, der sich ganz nah am Lager findet und über einen Steg zu erreichen ist.


Ganze 4 Stunden aalte ich mich in dem warmen Wasser und entspannte mich mit vielen anderen Gästen, die über Nacht blieben. Abgerundet wurde der Abend durch ein walisisches Filmteam, dass den letzten Drehtag einer Doku zum Thema "Angeln auf Island" im Pool feierte und aus diesem Anlass spontan eine Runde Bier spendierte.

Die Nacht war dann leider extrem unruhig, da sich einige Mitbewohner aus dem Bettensaal ab 3:00 Uhr morgens dazu aufmachten ihre Wanderung anzutreten.


Mit Rücksicht auf unsere inzwischen völlig abgerissenen Reifen hatten wir uns schweren Herzens dazu entschieden, dass der Ausflug nach Landmannalauger unsere letzte Offroadfahrt sein würde und wir ab sofort nur noch asphaltierte Strecken benutzen wollten. Wir fuhren also auf direkten Weg, so wie wir gekommen waren zurück auf die F26 und passierten einen spiegelglatten Lödmundarvatn.


Wieder hielten wir in Hrauneyjar und tranken dort ein paar Kaffee bevor wir weiterfuhren. Nachdem die F26 wieder zur 32 mutierte besuchten wir in der Nähe des Hjalparfoss noch den Nachbau eines Wikingerhauses.


Die restliche Fahrt des Tages war relativ unspektakulär. Über die 326 und die 30 fuhren wir auf die Ringstraße und auf der bis zum Campingplatz am Seljalandsfoss.


Gleich mehrere Wasserfälle stürzen hier vom Berg hinab, aber der Seljalandsfoss ist der einzige hinter dem man entlang wandern kann.


Die Landschaft war erneut äußerst eindrucksvoll, am Horizont konnte man die 15 km entfernten Vestmannaevjar Inseln sehen, sie wirkten so nah als wären sie direkt mit dem Festland verbunden.


Vor wenigen Monaten noch war hier ein vom Ausbruch des Eyjafjallajökull verursachtes Hochwassergebiet. Dort wo die Ringstrasse deswegen aufgerissen worden war, fuhrwerkten jetzt große Bagger und schlossen die letzten Lücken im alten Damm. Es war ansonsten kaum noch etwas von den Folgen der Eruption zu sehen.


Leider konnte man auch vom Vulkan selbst nichts sehen, da die Wolken sehr niedrig hingen.

Den Abend verbrachten wir damit das Leck in Bernd’s Luftmatratze zu finden, was uns letztendlich auch gelang. Das Flickzeug erwies sich jedoch als untauglich und ein paar Stunden später lag Bernd erneut ungepolstert in seinem Zelt und sah am nächsten Morgen entsprechend gerädert aus. Kaum auf dem Mopped sitzend regenerierte er aber angesichts der beeindruckenden Küstenlandschaft recht schnell und als wir nach 30 km am Skogarfoss ankamen, hüpfte er sogar gazellengleich den Weg zur Fallkante hinauf,


..während ich den Anblick von unten genoss und dort meine Aufnahmen machte.


Weiter ging es ans Kap Dyrhólaey..


..wo wir den schwarzen Sandstrand und die von einem Vulkanausbruch verursachten Gesteinsformationen der eindrucksvollen Halbinsel bestaunten.



Anschließend fuhren wir nach Vik, versorgten uns dort mit Lebensmitteln und fuhren dann nach 20 km einen schönen Rastplatz an, an dem wir bei herrlicher Aussicht picknickten.


Unsere Weiterfahrt wurde dann leider von erhöhter Luftfeuchtigkeit begleitet. Zum Glück hatten wir es aber nicht mehr weit. Für die nächsten beiden Nächte hatte ich einen Campingplatz bei Kirkjubaejarklaustur geplant und ursprünglich wollte ich von dort aus mit dem Motorrad ins Laki Gebiet fahren. Der von mir gewählte Campingplatz lag zwar wunderschön direkt an einem malerischen Wasserfall, bot jedoch keine Küche und hatte nur winzige sanitäre Einrichtungen. Kurz zuvor war uns aber noch ein Hinweisschild auf einen weiteren Campingplatz aufgefallen, zu dem wir uns dann aufmachten. Hier fanden wir die Gegebenheiten so vor, wie wir sie uns erwünscht hatten. Es gab einen Waschraum mit Waschmaschine und eine Küche mit Kochgeschirr und Gasbrennern. Außerdem fand sich ein paar hundert Meter entfernt ein Supermarkt. Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen und wir bauten in aller Ruhe unsere Zelte auf und zogen uns dann um. Wir wollten wieder ein wenig wandern und so machten wir uns auf den Weg zu dem Wasserfall neben dem ursprünglich ausgeguckten Campingplatz


..und von dort aus kletterten wir auf einem beschwerlichen Pfad den Berg hinauf.


Der Aufstieg hatte sich gelohnt. Von hier aus hatten wir einen großartigen Blick ins Tal.


Wir wanderten weiter zu dem auf dem Hochplateau befindlichen See Systravatn, aus dem sich der Systrafoss ins Tal ergießt und von dort wieder bergabwärts.


Nach 2 ½ Stunden waren wir wieder zurück am Campingplatz und ich begab mich in die inzwischen gut gefüllte Küche um uns Nudeln mit Krabben in Sahnesoße zu kochen. (Endlich mal wieder kein Tütenfrass). In der Küche fiel mir eine junge Frau auf, die ich 3 Tage zuvor im Pool von Landmannalaugar gesehen hatte. Ich sprach sie auf Englisch darauf an und schnell stellte sich heraus, dass sie Deutsche ist. Nina und Jeff, Ihr kanadischer Partner, wollten die Insel in 5 Wochen mit dem Fahrrad umrunden. Wir unterhielten uns noch eine Weile bevor wir uns in unsere Schlafsäcke verkrochen. Ich schlief ausgesprochen gut und Bernd musste mich am nächsten Morgen wecken. Wir wollten rechtzeitig an der Haltestelle für den Hochlandbus ins Laki sein und uns gute Plätze sichern, was dann auch gelang. Einerseits bedauerten wir, nicht mehr mit unseren Moppeds offroad fahren zu können, andererseits stellte sich die Busfahrt sehr schnell als purer Genuss heraus. So nahmen wir noch mehr von der eindrucksvollen Umgebung wahr, als auf dem Motorrad, auf dem man in schwierigen Gelände doch ständig auf die eigene Spur fokusiert war. Außerdem kannte der Busfahrer versteckte Orte die nur wenige 100 m neben der Strecke lagen und die wir mit Sicherheit überhaupt nicht wahrgenommen hätten. Z.B. diesen Canyon


....und diesen Wasserfall.


Als wir am Laki Vulkan ankamen war der Himmel zwar zum größten Teil bedeckt, aber wir hatten klare Sicht.


So klar, das man im Westen den Myrdalsjökull und im Osten den Vatnajökull sehen konnte.


Und der Blick über die wie auf einer Perlenkette aufgezogenen Vulkankrater war vom allerfeinsten.


Der mit 25 km Länge größte Spaltvulkan der Erde präsentierte sich uns wie wir es uns nicht erträumt hätten. Es fiel schwer sich von diesem Ausblick zu lösen, aber nach einer 3/4 Stunde mußten wir wieder am Bus sein und außerdem zogen schlagartig dunkele Wolken auf. Kaum hatten wir den Bus erreicht, fing es heftig zu regnen an. Die Busfahrt ging anschließend noch ein paar Kilometer weiter zu einem kleineren Krater, dessen Caldera sich mit Wasser gefüllt hatte.


Wegen des anhaltenden Regens hielten wir uns aber nur sehr kurz auf und begaben uns schnell wieder zurück in den Bus. Auf der Rückfahrt machte ich von meinem Sitzplatz aus noch ein paar Aufnahmen während der Fahrt.



Gegen 19:30 Uhr waren wir wieder an unserem Campingplatz angelangt. Die Fahrt mit dem Bus war mit umgerechnet ca. 60 € pro Person nicht billig, hatte sich aber wirklich gelohnt wie wir beide übereinstimmend befanden. Außerdem war ich mir sicher, dass unsere Reifen diese Tour nicht überlebt hätten. Am Abend unterhielten wir uns noch lange mit einem pensionierten deutschen Förster, der ebenfalls mit uns im Bus unterwegs war. Er durchwanderte Island zu Fuß und empfahl uns am nächsten Tag unbedingt nach Skaftafell zu fahren, aber als wir am nächsten Morgen an der Abzweigung dorthin waren, hatten wir wieder tief hängende Wolken und machten daher nur kurz Halt und eine Aufnahme von der Gletscherzunge Skaftafellsjökull, bevor wir der N1 weiter ostwärts folgten.


Wenige Kilometer vor dem Jökulsarlon überholten wir Nina und Jeff, die tapfer auf ihren Rädern strampelten. Ein paar Minuten später trafen wir uns dann am Parkplatz der Gletscherbucht und erzählten uns von den Erlebnissen des letzten Tages.


Die Gletscherbucht war ein weiteres eindrucksvolles Touristenziel.


Zunächst war es noch sehr diesig, aber dann löste sich der Dunst mehr und mehr auf und wir hatten eine immer bessere Sicht, so das wir dann auch den Gletscher sehen konnten.


Für die Touristen gab es die Möglichkeit mit einem Amphibienfahrzeugen zwischen den in der Bucht schwimmenden Eisberge umher zu schippern. Wir begaben uns aber an die Küste und beobachteten die Eisblöcke, die aus der Bucht getrieben waren.


Auf handliche Größe geschmolzen waren die Eisbrocken dann kristallklar.


Wir verabschiedeten uns von Nina und Jeff und verabredeten uns locker für den Abend auf dem Campingplatz in Höfn.


Inzwischen zeigte sich der Himmel wieder von seiner schönen Seite und die Fahrt entlang der Küste war zum genießen.


In Höfn angekommen fanden wir den Campingplatz direkt am Ortseingang. Nach zwei Nächten im Zelt und aufgrund Bernd’s kaputter Luftmatratze wollten wir ein Blockhütte mieten, aber die war uns mit umgerechnet 80 Euro zu teuer, wobei sie für 4 Personen geeignet war. Wir überlegten auf Nina und Jeff zu warten um ihnen die Teilung einer Hütte vorzuschlagen, da aber unsicher war ob sie einwilligen würden und ob - und wann sie überhaupt ankommen würden, entschieden wir uns die örtliche Jugendherberge anzufahren und dort nach einem Zimmer zu fragen. Wir hatten Glück und erhielten ein kleines Zimmer mit Blick auf den Hafen.


Das Mobiliar war zwar vollkommen marode, aber die Betten waren ok. Nachdem wir unser Zeug untergebracht und umgezogen waren, ging es zunächst zum örtlichen Supermarkt, wo wir 1 kg Hummerschwänze für 7 Euro erworben. (Da sag nochmal einer Island ist teuer). Grund für den billigen Preis war wahrscheinlich das wenige Tage zuvor in Höfn begangene Hummerfest. Nun mussten wohl die Überkapazitäten weg. Nachdem wir die Hummer im Kühlschrank der JH deponiert hatten ging es direkt ins hübsche Freibad des Ortes, wo wir uns auf den Wasserrutschen heisse Duelle liefern. Bernd gewann immer, irgendwie schien er aerodynamischer geformt zu sein als ich, anders konnte ich mir das nicht erklären. Als wir später im Hotpot lagen und uns von den Whirlpooldüsen massieren ließen, kam urplötzlich sehr starker Wind auf. Da die Moppeds auf der Wetterseite geparkt waren, machten wir uns Sorgen ob sie eventuell von einer Windböe umgeworfen werden könnten und entschieden uns deshalb schnellstens zur JH zurück zu gehen. Beide Maschinen standen noch auf ihren Seitenständern, wurden aber schon ordentlich vom Wind durchgerüttelt. Schnell schoben wir sie durch den inzwischen einsetzenden Regen in den Windschatten des Gebäudes, bevor ich mich dann an die Zubereitung der Hummerschwänze machte. Der Sturm wurde immer stärker und entwickelte sich zu einem Orkan. Obwohl das mit einem Mordsgetöse einherging schlief ich doch gut und war beruhigt, dass der Sturm am nächsten Morgen etwas nachgelassen hatte. Es regnete immer noch und der Wind blies weiterhin recht heftig, aber eben nicht mehr mit der Gewalt des letzten Abends. Dennoch glich die Fahrt entlang der Küste einem Eiertanz. Es goss teilweise in Strömen und die Windböen kamen häufig sehr plötzlich und mit großer Wucht. Abhängig davon, ob man sich gerade an der Meeresküste, einer Fjordeinfahrt, oder einer Fjordausfahrt befand, waren völlig unterschiedliche Reaktionen gefragt. Die meiste Zeit war ein fahren jenseits der 70 km/h unmöglich. Kurz vor Berufjördur wären wir gerne auf die 939 gefahren um die Wegstrecke nach Seydisfjördur abzukürzen, da dies aber ein Schotterpiste war, traute ich das unseren Reifen nicht mehr zu und so hielten wir nur kurz für einen Hotdog und einen Kaffee, um anschließend das letzte Stück Küste auf der N1 abzureissen. Als es hinter Breiodalsvik in Richtung Berge ging, verlor auch der Wind seinen Einfluss und so konnten wir die letzten Kilometer bis nach Egilstadir ganz entspannt fahren. In Egilstadir fuhren wir den Supermarkt an, vor dem wir vor 2 Wochen unseren ersten Einkauf getätigt hatten und trafen dort auf Robert, den Allradfahrer von der Askja. Nach kurzen Plausch fuhren wir dann über den Pass nach Seydisfjördur. Hatten wir gedacht, dass es nach der Sturmfahrt an der Küste nicht schlimmer kommen könnte, wurden wir hier eines besseren belehrt. Noch nie wurde ich vom Sturm so durchgerüttelt wie auf den letzten 20 km, auf denen es auch noch in Strömen regnete. Besonders kritisch waren die Haarnadelkurven, in denen man innerhalb des Kurvenradius gegen den Wind von allen Seiten ankämpfen musste. Wir trugen unsere Maschinen jedoch sicher bis ins Tal und kamen heil an der restlos ausgebuchten Jugendherberge an. Zum Glück hatte ich rechtzeitig reserviert. Die JH in Seydisfjördur war ziemlich marode, hatte aber einen schönen Aufenthaltsraum mit Blick in den Fjord. Hier saßen wir dann am Abend mit Christina und Michael, die ebenfalls reserviert hatten und tauschten unsere Abenteuer aus. Am nächsten Morgen warteten wir solange im Aufenthaltsraum bis wir die MS Noröna im wolkenverhangenen Fjord auftauchen sahen.


Das Wetter war unserer Stimmung angemessen. Wir hatten zwei tolle Wochen erlebt, die uns wie mindestens 4 Wochen vorkamen und wollten eigentlich noch gar nicht wieder weg, aber jetzt hieß es Abschied nehmen. Während der speziell für Motorradfahrer schlecht organisierten und ewig lange dauernden Prozedur des eincheckens trafen wir auch Jürgen und das belgische Paar aus dem Hotpot in Laugarvatn wieder. Ihre BMW hatte leider ein Lagerschaden ereilt und der Motor rasselte ganz erbärmlich. Die 2 Tage Rückfahrt auf der Fähre war deutlich kurzweiliger als die Hinfahrt. Immer wieder traf man auf Gesichter, die man schon einmal irgendwann auf der Insel gesehen hatte und erzählte sich dann von den jeweiligen Erlebnissen. Wieder auf dem Festland angekommen zuckelten wir mit Tempo 80 über die Autobahn, zunächst nach Schleswig, wo wir erneut in der JH nächtigten, diesmal aber dank der lieben Herbergschefin ein schickes Apartment im Souterrain beziehen durften und am nächsten Tag bei extrem hohen Temperaturen nach Hause. Unsere Reifen hatten tatsächlich gehalten!

Fazit: Island hat meine hohen Erwartungen noch übertroffen. Die Natur ist einmalig, wer gerne Offroad unterwegs ist hat hier alle Möglichkeiten. Das Verkehrsaufkommen ist gering, die isländischen Autofahrer sind sehr rücksichtsvoll und die Isländer mit denen wir zu tun hatten waren alle sehr freundlich und hilfsbereit. Ich werde bestimmt wieder kommen. Vielleicht mal mit dem Flugzeug und dann nur zum wandern, denn - und das ist der einzige Wermutstropfen -, die Fähre macht den Urlaub auf Island leider ziemlich teuer.

Ich möchte mich bei allen netten Menschen die ich im Laufe dieser Reise getroffen habe für deren angenehme Gesellschaft und die guten Gespräche bedanken.

Mein besonderer Dank gilt meinem Kumpel Bernd, der es nun schon zum dritten mal mit mir ausgehalten hat. Ohne ihn wäre die Reise in der Form nicht möglich gewesen.

Anbei noch ein paar Eindrücke unserer Endurotour in bewegten Bildern. Die Aufnahmen wurden vorwiegend mit billigen 100€ Fotokameras erstellt, die Widescreen Szenen mit einer am Helm befestigten RF Bulletcam auf einem Archos 605 Mediaplayer.


Tips und Links:

Auf folgenden Websites finden sich Links auf viele weitere Seiten zum Thema Island: http://www.isafold.de/diverses/islinks.htm und http://www.iceland.de/index.php?id=623

Christian, ein auf Island lebender Blogger hat die Welt in der Zeit des Vulkanausbruchs täglich mit den alleraktuellsten Informationen versorgt. Ausserdem finden sich auf seiner Site wirklich ganz ausgezeichnete Fotos von der Insel. Island-Blog / Neues aus Atlantis West

In Hveravellir lernte ich Reni und Bernd kennen. Beide erfahrene Islandreisende, sowohl auf 2, als auch auf 4 Rädern. Die Fernweh weckenden Bilder ihrer diesjährigen Reise sind hier zu sehen: Nordlandfahrer

Auch Nina, die mit ihrem Partner auf dem Fahrrad die Insel umrundet hat, führt einen sehr schönen Blog in dem sie auch von Ihren Erlebnissen auf Island berichtet - und diese mit sehr schönen Fotos untermalt. quebeclara

Eine wirklich gute und kostenlose topografische Karte (nicht routingfähig) für Geräte von Garmin und viele andere brauchbare Informationen über die Insel gibt es bei ourFootprints.de

Landkarten kauft man deutlich preiswerter in Island. Das aktuelle Kortabók, ein sehr guter Strassenaltas im Maßstab 1:300.000 wird in Deutschland mit über 30 € gehandelt. Ich habe ihn auf Island im Supermarkt für knapp 15 € erworben. Für Fahrten in die Askja empfiehlt sich neben einem GPS die Mitnahme einer noch detaillierteren Karte (1:100.000 und größer).

Bezahlen tut man auf Island am bequemsten mit einer Kreditkarte mit PIN. Damit läßt sich auch überall tanken. Die wenigsten Tankstellen auf Island sind mit Personal besetzt, alleine deshalb ist eine Kreditkarte ein muss, wobei sich meist auch mit EC-Karte bezahlen läßt, was aber, abhängig von den Bankgebühren, teurer werden kann.

Zum durchwaten und furten tieferer Gewässer hatte ich eine Wathose mit Füsslingen, die ich in meinen Crossstiefeln tragen konnte. (Dafür sparte ich mir die Mitnahme einer Regenhose). Für flachere Gewässer hatte ich hohe Neoprensocken. Beides hat sich sehr gut bewährt.

Falls mein Reisebericht gefallen hat, würde ich mich sehr über ein Feedback in meinem Gästebuch, oder/und über ein gutes Voting (5 Sterne) freuen.


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